114 : Integration

Klappentext

Klappentext

Integration?
Migration - Rassismus - Zweisprachigkeit

Aus dem Inhalt:

  • Migration und Globalisierung
  • PISA und MigranntInnenkinder
  • "Schule ohne Rassismus". Ein antirassistisches Schulprojekt
  • Zur Sprachsituation der Zuwanderer
  • Mehrsprachige Alphabetisierung als allgemeines Menschenrecht
  • Unterricht in multikulturellen und multilingualen Klassen
  • Deutschkurs für türkische Mütter
  • Schulberatungsstelle für MigrantInnen

Inhalt

Inhalt

Migration - Rassismus

Ljubomir Bratic
Die neuen Grenzen der Geschichte

Christoph Butterwegge
Migration und Globalisierung

Simon Burtscher
PISA und MigrantInnenkinder
Eine Zusammenfassung aus spezifischem Blickwinkel

Herbert Langthaler
Schule ohne Rassismus
Gemeinsam für eine Gesellschaft ohne Diskriminierung und Vorurteile

Ein antirassistisches Schulprojekt
Zweisprachigkeit - Mehrsprachigkeit

Gero Fischer
Zur Sprachsituation der Zuwanderer und der zweiten Generation

Wolfgang L. Gombocz
Für das allgemeine Menschenrecht auf mehrsprachige Alphabetisierung als nächster Phase der Schulpflicht

Interview mit einer türkischen PädAk-Studentin
"Bei mir haben sie auf Granit gebissen"

Elfi Fleck
Unterricht in multilingualen und multikulturellen Klassen
Gesetzliche und schulorganisatorische Rahmenbedingungen

Gabi Lener
TiP - Türkçe ikidilli Proje

Adelheid Unterwurzacher/Sedat Demirdegmez
"Deutschkurs" für türkische Mütter

Serafettin Yildiz
Schulberatungsstelle für MigrantInnen (SBM)

Veronika Varbanova, Sonja Fasching, Veronika Fleischmann
Die bulgarische Nachmittagsschule

Gabriele Khan-Svik
Glossar

Kurzrezensionen

Lutz van Dijk
In die Haut des anderen schlüpfen
Die Gefahr des "Schwarz-Weiß-Malens"
Rezension von Gertraud Eibl

Karl Rieder
Herkunftssprache, Zielsprache
Rezension von Dasa Janousek

Christoph Butterwegge, Gudrun Hentges (Hg)
Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung
Migrations-, Integrations- und Minderheitenpolitik

 

Vorwort

Vorwort

Diese schulheft-Nummer hat eigentlich zwei Themen. Einmal das Thema Migration, genauer Arbeitsmigration, und einmal das Thema Zwei- und Mehrsprachigkeit. Natürlich haben die beiden eine Menge Berührungspunkte. De facto waren es aber relativ unabhängige und unterschiedliche Interessen, die diese Redaktion zusammengeführt und schließlich das vorliegende Ergebnis gebracht haben. Als "hidden curriculum" hinter unserer Redaktionsarbeit hat sich übrigens der Begriff "Integration" herausgestellt. Der bzw. seine seltsamen, nicht unbedingt offensichtlichen Verbindungen zum Rassismus - vielleicht sollte man vom Rassismus als hässlichem Bruder der Integration sprechen!? "Integration" als politisches Deckmäntelchen für nicht eingestandenen Rassismus!? - war eine unausgesprochene Herausforderung unserer Redaktionsarbeit. Der Begriff "Integration" sollte "dekonstruiert" werden, also auf seine polit-ökonomischen Wurzeln, auf seine ideologische Funktion hin abgeklopft werden. Dass ein solches kritisches Vorhaben gelingen könnte, habe ich, ehrlich gesagt, am Beginn der Redaktionsarbeit nicht geglaubt. Ich wurde aber eines Besseren belehrt. Offensichtlich ist die Geschichte der Arbeitsmigration in Österreich (nach 1945) so weit fortgeschritten, offensichtlich haben sich jetzt die entsprechenden Netzwerke gebildet und sind auch die entsprechenden Köpfe gefunden, dass eine eigenständige Migrationsgeschichte geschrieben wird, mit Blickwinkeln und Perspektiven, die sich das "offizielle" Österreich nie hätte träumen lassen und die ihm nicht wurscht sein können.

Symbolisch für diese neue Geschichtsschreibung ist die Wiener Ausstellung "Gastarbajteri" (s. Bratic, in dieser Nummer), die schon in der Wahl des Titels (gastarbajteri = das slawische Lehnwort aus dem Deutschen) den Perspektivenwechsel zum Ausdruck bringt. Und genau diese Ausstellung war auch der Ausgangspunkt unserer Redaktionsarbeit.¹ Wir denken, dass wir mit den Ausführungen von Ljubomir Bratic einen wirklich spannenden und erhellenden Beitrag zu dieser neuen Geschichtsschrei- bung abdrucken können. Der Kernbegriff dieser Betrachtung heißt schlicht: Rassismus.

Im Anschluss daran geht Christoph Butterwegge auf "Migration und Globalisierung" ein und zeigt auch aus dieser Perspektive, wie wenig mit einem verschwommenen Begriff wie Integration gewonnen ist. Schließlich liefert Simon Burtscher sozusagen eine PISA-Spezialauswertung bezogen auf die MigrantInnenkiner. Ursprünglich war hier noch ein zweiter PISA-Artikel von Barbara Herzog-Punzenberger vorgesehen, der einen interessanten und sehr kontrastreichen Vergleich mit Kanada liefert. Leider können wir diesen Artikel aus Platzgründen nur auf unserer homepage (www.schulheft.at) zur Verfügung stellen. Am Schluss dieses Kapitels stellt Herbert Langthaler das Projekt "Schule ohne Rassimus" vor.

Im zweiten Teil geht es um Zwei- und Mehrsprachigkeit. Und auch hier geht es uns darum aufzuzeigen, wie das "hehre Ziel", verbunden mit Begriffen wie "Integration", "interkultureller Erziehung" oder "multikultureller Gesellschaft", immer brüchiger wird und ziemlich einseitige klassenorientierte ökonomische Interessen zum Vorschein kommen, geht man nur ein bisschen tiefer unter die Oberfläche. Warum gibt es zwar die offensichtlich weltweit berühmten Vienna Bilingual Schools (VBS) mit Englisch als zweiter Unterrichtssprache, aber kaum einschlägige Unternehmen mit den MigrantInnensprachen Türkisch, Serbisch, Kroatisch, Bosnisch o.Ä.? (vgl. dazu Lener und Fischer in diesem schulheft). Wenn man es nicht eh schon wüsste bzw. sich denken kann, klarer wie es der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx in seiner Samstagskolumne in der "Presse" vom 24. 4. 2004 (S.40) zum Ausdruck bringt, kann man es nicht sagen. Dort geht es ihm ausnahmsweise einmal um sozusagen gewerkschaftliche Interessen und er fordert seine Klientel auf, doch fleißig Unter- schriften zu sammeln, damit die native speakers in den VBS gleiche Dienstverträge bekommen wie ihre österreichischen Kolleginnen. Dagegen wäre ja eigentlich nichts zu sagen - ich selbst bin in der Pädagogischen Akademie mit den Nostrifikationen und entsprechenden Upgradings der KollegInnen befasst, die an den VBS als native speaker unterrichten, und sehe teilweise Probleme mit der deutschen Sprache; ich hab auch solche Prüfungen schon in Englisch abgehalten - aber mir geht es hier um den, sagen wir altmarxistisch, Klassenhintergund solcher Schulversuche. Herr Horx (nix Marx) sagt ganz offen, dass die VBS ein entscheidendes Argument waren, dass er und seine englische Frau nach Wien gezogen sind. So billig kriegen sie dieses Service für die international agierende Yuppie-Fraktion nirgends auf der Welt. Wörtlich schreibt er: "Bildung ist heutzutage ein schlagendes Mobilitätsargument, und wir wollten unseren Kindern nicht das Ghetto teurer und oft gar nicht so guter Privatschulen antun (abgesehen davon: Wer kann sich das leisten?)." Also, auch uns geht es in alter schulheft-Tradition um eine Art gewerkschaftliche Position, allerdings wohl eher im Interesse jener Klassen und Klassenfraktionen, die sich am anderen Ende der Skala befinden als die Horx’schen Yip‘s (Young International Professionals). Einleitend stellt Gero Fischer den Diskussionsstand zur Frage der ein-, zwei- oder mehrsprachigen Alphabetisierung und Literarisierung vor und geht auch auf einige inzwischen abgeschlossene bzw. "gestorbene" Wiener Schulversuche zur zweisprachigen Alphabetisierung ein. Daran anschließend haben wir die spannenden und möglicher Weise kontroversiellen Thesen des Grazer Philosophen Wolfgang L. Gombocz "Für das allgemeine Menschenrecht auf mehrsprachige Alphabetisierung als nächster Phase der Schulpflicht" abgedruckt. Die vollständige Fassung dieser Thesen können Sie auf unserer homepage (www.schulheft. at) abrufen. Daran anschließend folgt ein Interview mit einer türkischen PA-Studentin, die anonym bleiben will und die den Umgang mit Zwei- und Mehrsprachigkeit sozusagen "vormacht". Auch ihre Schilderung lässt die großen Worte von "Integration" und "multikultureller Toleranz" ziemlich verlogen aussehen.

Wie das "offizielle" Österreich sich die sprachliche Förderung konkret vorstellt, welche konkreten Maßnahmen von Seiten des BMBWK angeboten werden, schildert die verantwortliche Abteilungsleiterin Elfie Fleck. Es folgen zwei interessante Projekte aus dem 20. Wiener Gemeindebezirk, bekanntlich jener Bezirk mit dem höchsten Anteil an MigrantInnen. Gabi Lener schildert ihr Projekt einer bilingualen türkisch-deutschsprachigen Volksschulklasse nach dem Muster der VBS namens TiP: Türkçe ikidilli Proje, und Adelheid Unterwurzacher und Sedat Demirdegmez berichten von einem speziellen "Deutschkurs" für türkische Mütter. Schließlich stellt Serafettin Yildiz die "Schulberatungsstelle für MigrantInnen" (SBM, Wien) vor. Abgeschlossen wird dieses Kapitel durch einen Bericht von Veronika Varbanova u.a. über die bulgarische Nachmittagsschule in Wien, eine von insgesamt 13 "Zusatzschulen" der verschiedenen ethnischen Gruppierungen in Wien, und durch ein Glossar von Gabi Khan, das Klarheit in die manchmal verwirrende Begrifflichkeit der "Multi-Linguistik" bringen soll.

Sie werden’s gemerkt haben, liebe Leserin, lieber Leser: Formal ist das vorliegende schulheft auch etwas anders aufgebaut als traditioneller Weise. Die sonst oft in eigenen Praxis-Kapiteln vorgestellten Projekte sind diesmal den beiden thematischen Blöcken direkt zugeordnet. Zuallerletzt folgen noch drei Kurzrezensionen. Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen.

Michael Sertl

¹ Die Initiatorin dieser Nummer war Renée Winter, die auch eine der AutorInnen der "Gastarbajteri"-Ausstellung war. Leider ist sie frühzeitig wegen Arbeitsüberlastung aus der Redaktion ausgestiegen. Neben vielen anderen Projekten ist sie auch eine Hauptredakteurin des schulheft-LehrerInnenkalenders.

 

AutorInnen

AutorInnen

Redaktion

Michael Sertl
Gabriele Khan-Svik
Johannes Zuber

AutorInnen

Ljubomir Bratic, Philosoph, Sozialwissenschafter und Aktivist, BUM - Büro für ungewöhnliche Maßnahmen in Wien
ljubomir@vienna.at

Simon Burtscher, Soziologe, Institut "Okay. zusammen leben"
simon.burtscher@okay-line.at

Christoph Butterwegge, Politikwissenschafter, Universität Köln
hankeln@ewbibl.ew.uni-koeln.de

Gertraud Eibl
, Studentin an der Europäischen Journalismus Akademie, Wien
gertraud.eibl@gmx.net

Gero Fischer, Slawist, Universität Wien
gero.fischer@univie.ac.at

Elfie Fleck, Lehrerin, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Abt. V/12, Referat für interkulturelles Lernen
elfie.fleck@bmbwk.gv.at

Wolfgang L. Gombocz
, Philosoph, Universität Graz
wolfgang.gombocz@uni-graz.at

Dasa Janousek, Studentin der Erziehungswissenschaft, Universität Wien
dasa@janousek.at

Gabriele Khan-Svik, Erziehungswissenschafterin, Ludwig-Boltzmann-Institut für Schulentwicklung und international-vergleichende Schulforschung, Wien
gabriele.khan@univie.ac.at

Herbert Langthaler, Ethnologe und Publizist, asylkoordination österreich
langthaler@asyl.at

Gabi Lener
, Volksschullehrerin, Wien
gmlener@gmx.at

Michael Sertl, Soziologe, Pädagogische Akademie des Bundes, Wien
sem@pabw.at

Adelheid Unterwurzacher, Sedat Demirdegmez
,
VolksschullehrerInnen, Wien
heidiunt@gmx.at

Veronika Varbanova
, Studentin der Soziologie, Universität Wien
varbanova_veronika@yahoo.de

Seraffetin Yildiz, Schriftsteller, Schulberatungsstelle für MigrantInnen (SBM), Wien

 

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Studienverlag: Schulheft 114