127 : Beratung, Coaching & Co.

Klappentext

Klappentext

Ist Beratung/Coaching, so wie sie uns gegenwärtig aus allen Ecken und Enden der Gesellschaft angedient wird, als Empowerment im Sinne des Glaubens der Moderne an die Selbstgestaltungskraft des sozialen Lebens von Individuen zu verstehen oder als Entmündigung im Sinne der postmodernen Tendenz, Menschen als ausgeliefert an Kräfte wahrzunehmen, denen sie sich nur strategisch geschickt anpassen können?
Im vorliegenden schulheft werden verschiedene theoretische Zugänge zum Thema aufgefaltet, an exemplarischen Beispielen die Komplexität des Phänomens verdeutlicht, negative Begleiterscheinungen von Beratung thematisiert und die Frage nach dem Hintergrund des aktuellen Beratungsbooms einer Antwort zugeführt.

Inhalt

Inhalt

Gesellschaftliche Transformationsprozesse

Lorenz Glatz
Lifelong guidance
Anläufe zum Verstehen und zur Kritik eines Features postmodernen Lebens

Erich Ribolits
Lifelong guidance
Die sanfte Art, Menschen zum Funktionieren zu bringen

 

Theoretische Zugänge

Petra Steiner
Schöne neue Beratungswelt?
Der Beratungstrend als Ausdruck von Individualisierung und Ökonomisierung 

Kurt Finger
"Beratung": ja, bitte - nein, danke!?
Beiläufige Anmerkungen zu einem alltäglichen Begriff 

Robert Hutterer
Die Domestizierung von Orientierungsberufen
Skeptische Anmerkungen zur Professionalisierung von Beratung 

Michael Orthey
Beratung, Coaching & Co GmbH
G
uidance mit beschränkter Haftung
 

Praxisfelder

Nina Rebhandl
"Ich will jetzt endlich was Sinnvolles arbeiten"
Was Berufs- und Bildungsberatung für Wiedereinsteigerinnen (nicht) leisten kann 

Maria Wölflingseder
Die Maßnahmen des AMS
Oder: Fußfesseln für Arbeitslose 

Eveline Christof
Supernanny und Co
Überlegungen zum Phänomen der Erziehungsberatung 

Dietmar Ossinger
Schulentwicklung braucht Beratung
Neue Anforderungen brauchen neue Wege 

Elisabeth Wolm-Egle
Ebru muss Matura machen 

 

Vorwort

Vorwort

Ein Arbeitsloser kommt zum Arbeitsmarktservice ...
"Hätten Sie einen Job für mich?"
Der Berater: "Na klar, auf Mallorca, 20 Stunden die Woche, freier Swimmingpool, 3000 Euro pro Monat, jeden Morgen Sektfrühstück, …"
"Wollen Sie mich verarschen?"
"Na hören Sie, Sie haben doch damit angefangen!"

Eines trotz seiner Auffälligkeit kaum je kritisch reflektiertes Phänomen der heutigen Zeit ist eine in die Legion gehende Zahl professioneller Helfer, die allerorten ihre Dienste für jedes nur erdenkliche Problem des menschlichen Lebens anbieten. Angefangen von Sexual-, Paar-, Familien- Trennungs- oder Lebensberater/ innen über Berufs- und Laufbahnberater/innen, Energie-, Fengshui-, Finanz- oder Stylingberater/innen bis zum hin zu Management-, Politik- oder Organisationsberater/innen gibt es kaum irgendeinen menschlichen Verhaltensbereich für den es nicht schon Spezialist/innen gäbe, die bereit sind, Hilfesuchenden bei mehr oder weniger großen Krisen und Neuorientierungen - gegen Honorar versteht sich - zur Seite zu stehen. Zu dieser an sich schon unübersehbaren Zahl an deklarierten Berater/innen kommt unter verschiedensten Titeln und Schwerpunktsetzungen noch eine ganze Reihe anderer professioneller Unterstützer/innen, die für sich ebenfalls reklamieren, Helfer/innen zur Verbesserung menschlichen Handelns zu sein - die Palette reicht dabei von diversen Coaches, Supervisor/ innen oder Mediator/innen bis hin zum medial aufbereiteten Beratungssektor, wie zum Beispiel den aktuell äußerst beliebten "Super-Nannies".

Der Gedanke liegt nahe, den Beratungsboom als einen Aspekt jenes Phänomens zu sehen, der in der Nummer 116 des schulheft unter dem Titel "Pädagogisierung" abgehandelt wurde. Als Pendant zum "lifelong learning" kann der Beratungsboom als "lifelong guidance" interpretiert werden und ließe sich damit in hohem Maß in die damals behandelten Tendenz zu einer neuen Form der Menschenführung einordnen - Beratung als sanfter Weg Menschen an herrschende Normen anzupassen. Aber so wie bei den diversen Aspekten des Lebenslangen Lernens wird auch der Beratungsboom gerne damit verteidigt, dass sich in ihm ja keineswegs eine Tendenz des abhängig Machens von Menschen spiegelt, sondern, dass die verschiedenen Beratungsberufe - zumindest in ihrer pädagogisch legitimierten Variante - im Prinzip stets auf die Mündigkeit ihrer jeweiligen Klienten abzielen würden. In Umkehrung des Entmündigungsvorwurfs wird argumentiert, dass Berater/innen geradezu "Katalysatoren der Selbstaufklärung" wären, indem sie Arrangements kreieren, die ihre Klient/innen in die Lage versetzen sollen, ihr jeweiliges Problem selbst zu lösen. In den diversen Beratungsberufen würde quasi das Weltbild der Moderne nachwirken, das ja ganz wesentlich durch die Idee der Reflexivität sowie der Vorstellung geprägt war, dass Menschen über die sie beeinflussenden gesellschaftlichen Bedingungen des Lebens Souveränität gewinnen können.

Die Frage lautet somit, ist Beratung - so wie sie uns gegenwärtig aus allen Ecken und Enden der Gesellschaft angedient wird - als Empowerment im Sinne des Glaubens der Moderne an die Selbstgestaltungskraft des sozialen Lebens von Individuen zu verstehen, oder als Entmündigung im Sinne der postmodernen Tendenz, Menschen als ausgeliefert an Kräfte wahrzunehmen, denen sie sich nur strategisch geschickt anpassen können?

Anhand verschiedener theoretischer Zugänge zum Thema und aus der praxisorientierten Sichtweise unterschiedlicher Berater/ innentätigkeiten wird diese Fragestellung im vorliegenden schulheft aufgefaltet, an exemplarischen Beispielen die Komplexität des Phänomens verdeutlicht, negative Begleiterscheinungen von Beratung thematisiert und die Frage nach dem Hintergrund des aktuellen Beratungsbooms einer Antwort zugeführt.

Eveline Christof, Erich Ribolits, Johannes Zuber

AutorInnen

AutorInnen

Redaktion

Eveline Christof
Erich Ribolits
Johannes Zuber

AutorInnen

Christof Eveline, Maga., Erziehungswissenschafterin, Wien
Christof Eveline, Maga., Erziehungswissenschafterin, Wien
Finger Kurt, OR Prof. Mag. Dr., Bildungswissenschafter, Wien
Glaz Lorenz, war 33 Jahre AHS-Lehrer (Latein, Griechisch, Informatik), Wien
Hutterer Robert, Ao. Univ.-Prof. Dr., Erziehungswissenschafter, Wien
Orthey Michael, Priv. Doz. Dr. phil. habil., Diplom Pädagoge, Bielefeld/Innsbruck/München
Osinger Dietmar, Lehrerbildner, Schulentwicklung, Wien
Rebhandl Nina, Maga., Erziehungswissenschafterin, Wien
Ribolits Erich, Dr., Univ.Prof., Erziehungswissenschafter, Wien
Steiner Petra, Maga., Allgemeinen Erwachsenenbildung, Wien
Wölflingseder Maria, Dr., Erziehungswissenschafterin, Wien
Wolm-Egle Elisabeth, Maga., AHS- Lehrerin, Wien

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Studienverlag: Schulheft 127