139 : Uniland ist abgebrannt

Klappentext

Klappentext

"Bildung statt Ausbildung nach wirtschaftlicher Verwertbarkeit" lautete die Spitzenforderung der bis heute nicht ganz abgeebbten Student/innenproteste des letzten Jahres. Im vorliegenden schulheft werden die Hintergründe und Ursachen dieser Proteste ausgeleuchtet sowie hinterfragt, ob mit der Forderung nach Bildung tatsächlich eine Alternative zur ökonomischen Verzweckung allen organisierten Lernens aufgestellt wird.

Inhalt

Inhalt

Brandverursacher

Raoul Kneucker
Das Bologna Spektrum
Ein Überblick über Fragestellungen

Brandsachverständige

Konrad Paul Liessmann
Der Prozess

Michael Gemperle
Die Rede von der "Wissensgesellschaft" als Teil eines politischen Projekts

Ludwig A. Pongratz
Bildung im Bermuda-Dreieck: Bologna ­ Lissabon ­ Berlin

Erich Ribolits
Erhebet euch Geliebte, wir brauchen eine Tat!
Oder: Warum die Protestaktionen der Studierenden im Herbst 2009 mehr mit Bildung zu tun hatten als die Reaktionen der meisten Bildungstheoretiker/innen

Alfred Schirlbauer
Kompetenz statt Bildung?

 

Brandstifter

David Kriebernegg
"Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut"
(Demo-Spruch der protestierenden Studierenden)

Sigrid Maurer
Der heiße Herbst 2009, die Bewegung und die ÖH

 

Zwischen den Feuerfronten

Thomas Schmidinger und Claus Tieber
Zur Lage der lehrenden Klasse in Österreich

Monika Hofer und Eva Sattlberger
Und was kommt danach?
Zur Lage der befristet beschäftigten Jungwissenschafter/innen an der Universität Wien

Eveline Christof
Universitäten in der Krise
Governance an der Hochschule im Spannungsfeld von Autonomie und Verantwortung

Vorwort

Vorwort

An erster Stelle des Forderungskatalogs der protestierenden Studierenden, die im Winter 2009/10 österreich- und europaweit auf die "Misere bolognese" der universitären Bildung aufmerksam gemacht haben, fand sich die Forderung "Bildung statt Ausbildung nach wirtschaftlicher Verwertbarkeit". Es ist zumindest bemerkenswert, dass die Spitzenforderung der Studierenden damit einen Anspruch formulierte, der weit über ein systemkonformes Adaptieren der aktuell inadäquaten Studienbedingungen hinausgeht und ein grundlegendes Infragestellen der herrschenden bildungspolitischen Zustände impliziert. Noch bemerkenswerter ist, dass eine während der zweiten Protestwoche bei Studierenden in ganz Österreich durchgeführte Untersuchung des Instituts für Jugendkulturforschung zutage brachte, dass fast 70% aller befragten Studierenden die Forderung nach Bildung statt Ausbildung als die wichtigste Aussage des Forderungskatalogs der sogenannten Audimaxisten bezeichneten. Daraus lässt sich interpretieren, dass die Forderung ­ so abstrakt sie auch erscheinen mag und so wenig Medien und Bildungspolitiker mit ihr auch anfangen konnten ­ ein generelles Unbehagen der studentischen Jugend an ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung und Rolle als "Munition im herrschenden Krieg mit ökonomischen Mitteln" widerspiegelt.

In diesem Sinn wird die Dichotomie von Bildung und Ausbildung im gegenständlichen schulheft zum Ausgangspunkt dafür gemacht, die Situation in Schulen und Universitäten dahingehend zu hinterfragen, wieweit dort heute überhaupt so etwas wie ein Fördern autonom denkender, dem Status quo kritisch gegenüberstehender, selbstbewusster Persönlichkeiten erfolgen kann bzw. wieweit die Forderung nach Bildung statt Ausbildung tatsächlich eine latent systemkritische Haltung der studentischen Jugend widerspiegelt.

AutorInnen

AutorInnen

Redaktion

Eveline Christof
Erich Ribolits
Johannes Zuber

AutorInnen

Christof, Eveline, Universität für Bodenkultur, Zentrum für Lehre, Arbeitsbereich Weiterbildung, universitäre Weiterbildung, qualitative Sozialforschung, Didaktik und Erwachsenenbildung.
Gemperle, Michael, lic. phil., Universität St. Gallen, Fachbereich Soziologie; Transformation der Arbeitswelt, Forschungsschwerpunkte Arbeitssoziologie, Bildungssoziologie, Soziologie der Intellektuellen.
Hofer, Monika, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bildungswissenschaften der Universität Wien, Forschungseinheit für LehrerInnenbildung und Professionalisierungsforschung, Arbeitsschwerpunkte: Lehrer/innenbildung, Schulpädagogik, Professionalisierungsforschung, Vergleichende Erziehungswissenschaft.
Kneucker, Raoul, Dr. juris; Honorarprofessor für Politische Wissenschaften (Europapolitik) an der Universität Innsbruck; Sektionschef für wissenschaftliche Forschung und internationale Angelegenheiten (BMWF) i.R., Generalsekretär der Rektorenkonferenz (1970­1977) und des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (1978­1989).
Kriebernegg, David, studiert Geschichte, Europäische Ethnologie/Kulturanthropologie und Philosophie in Graz. Seit 2007 ist er für die Grünen & Alternativen StudentInnen (GRAS) Graz in der Österreichischen HochschülerInnenschaft aktiv, u.A. Senat, Universitätsvertretung, Studienrichtungsvertretung.
Liessmann, Konrad Paul, Univ. Prof. für Philosophie, Vizedekan der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft an der Universität Wien, viele Buchveröffentlichungen, u.A.: Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft.
Maurer, Sigrid, studiert Politikwissenschaft und ist seit 2005 bildungspolitisch für die Grünen & Alternativen StudentInnen aktiv, seit Juli 2009 ist sie Vorsitzende der Österreichischen HochschülerInnenschaft.
Pongratz, Ludwig A., Univ. Prof. für Allgemeine Pädagogik und Erwachsenenbildung an der TU Darmstadt, Arbeitsschwerpunkte: Allgemeine Pädagogik, Kritische Theorie bzw. Bildungstheorie, Erwachsenenbildung/Weiterbildung, viele Buchveröffentlichungen, u.A.: Bildung im Bermuda-Dreieck: Bologna ­ Lissabon ­ Berlin. Eine Kritik der Bildungsreform.
Ribolits, Erich, Bildungswissenschafter, tätig als Privatdozent an verschiedenen österreichischen Universitäten, Forschungsschwerpunkt: Verhältnis von Arbeit, Bildung und Gesellschaft, Letzte Buchveröffentlichung: Bildung ohne Wert. Wider die Humankapitalisierung des Menschen.
Sattlberger, Eva, Bundeslehrerin im Hochschuldienst am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien, Vizestudienprogrammleiterin Bildungswissenschaft (Lehrer/innenbildung), AHS-Lehrerin (Physik und Mathematik)
Schirlbauer, Alfred, bis 2008 Professor am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien; Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Bildungstheorie, Schulpädagogik, Pädagogische Soziologie.
Schmidinger, Thomas, Lektor am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Wien mit Schwerpunkt Internationale Politik, Mittlerer Osten, Migration und politischer Islam. Von 2009 bis 2010 war er Präsident der IG externe LektorInnen und freie WissenschafterInnen und hat sich in verschiedenen Bereichen der Protestbewegung engagiert.
Tieber, Claus, ist als habilitierter Privatdozent Lektor am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften der Universität Wien und Projektleiter an der Abteilung Musik- und Tanzwissenschaft der Universität Salzburg. Seit 2010 ist er Präsident der IG externe LektorInnen und freie WissenschafterInnen (www.ig-elf.at).

Horst Bethge, AG Bildungspolitik der Partei die Linke, PädagogInnen für
den Frieden, Hamburg
Christoph Butterwegge, Univ. Prof., Leiter der Abteilung für Politikwis-
senschaft, Geschäftsführender Direktor des Seminars für Sozialwis-
senschaften an der Universität zu Köln
Hannes Hofbauer, Historiker, Journalist, Verleger, Wien
Adalbert Krims, Journalist, Herausgeber der Zeitschrift "Kritisches
Christentum", Wien
Gerald Oberansmayr, Solidarwerkstatt Österreich
Manfred Sauer, Vorstandsmitglied der österreichischen MedizinerIn-
nen gegen Gewalt und Atomgefahren OMEGA, Österr. Sektion der
Internationalen Ärzte/Ärztinnen zur Verhütung des Atomkrieges
IPPNW, Wien
Peter Strutynski, Politikwissenschaftler, AG Friedensforschung, Spre-
cher des Bundesausschusses Friedensratschlag, Kassel
Winfried Wolf, Aktivist im Bündnis Bahn für Alle; Sprecher der Bahn-
fachleutegruppe Bürgerbahn statt Börsenbahn (BsB), Mitglied im
wissenschaftlichen Beirat von attac, Mitglied im Beirat von SALZ

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Studienverlag: Schulheft 139

Diskussion

Mitschnitt der Diskussionsveranstaltung: cba.fro.at/47312