144 : Last Exit: LehrerInnenbildung

Klappentext

Klappentext

Derzeit häuft sich die Kritik an Schule und LehrerInnen in einem bisher noch nie dagewesenen Maß. Heranwachsende würden – so wird moniert – durch schulisches Lernen nicht adäquat auf ihre Eingliederung in die veränderten gesellschaftlich-ökonomischen Gegebenheiten vorbereitet. Der traditionelle pädagogische Ansatz, dass es Aufgabe der Schule wäre, Heranwachsende für das Mitwirken an einer fortschreitend humaneren Gesellschaft zu befähigen, rückt bei dieser Argumentation weit in den Hintergrund.

Im vorliegenden schulheft werden vor sich gehende und angedachte Veränderungen in Schule und LehrerInnenausbildung aus bildungstheoretischer Sicht hinterfragt sowie Perspektiven aufgezeigt, die nicht einseitig an der angesprochenen Unterordnung unter politisch-ökonomische Vorgaben ausgerichtet sind.

Inhalt

Inhalt

Erich Ribolits
Das Ende der Schule – so, wie wir sie kennen
Eva Sattlberger
Die Zukunft der pädagogischen Berufe
Anton Dobart
Warum es einer anderen Lehrerbildung bedarf 
Lehren und Lernen im 21 Jahrhundert
Heidi Schrodt
Eine neue Schule – von den Mühen des Weges
Wolfgang Horvath
Großbaustelle Schule
Von der Standardisierungsdebatte zu neuen Professionalisierungsanforderungen
Eveline Christof
Verachteter Beruf LehrerIn – (k)ein Paradigmenwechsel in Sicht
Ilse Schrittesser
Kompetenz: über Gewinn- und Verlustpotenzial eines trendigen Begriffs in der Lehrer/innenbildung
Julia Köhler
Theater- und dramapädagogische Zugänge in der Lehrer/innenbildung
Stefan Götz
Neue (Mathematik-)Lehrer(innen) braucht das Land!
Karin Dobler
Selbstreflexion in der Lehrer/innenbildung
Monika Hofer
Ich erwarte mir ...
Gedanken von Lehramtsstudierenden zu ihrer Ausbildung an der Universität Wien
Eva Sattlberger
Lehrer/in kann jede/r sein – Nur, warum ist es dann nicht jede/r?
Anmerkungen zur Problematik der Quereinsteiger/innen im Schulbereich
Ingolf Erler
Buchrezension: "Bildung MACHT Gesellschaft"

Vorwort

Vorwort

Wohl noch kaum jemals seit Einführung der allgemeinen Schulpflicht wurde derart viel Unbehagen an Schule und Schulsystem sowie Funktion und Verhalten der Lehrer/innen formuliert wie gegenwärtig. Auffällig dabei ist, dass die aus unterschiedlichsten Ecken und von den verschiedensten Interessengruppen geforderten Veränderungen das System Schule vielfach in seinem über Jahrhunderte geltenden Selbstverständnis in Frage stellen. Und auch wenn man die bereits vor sich gehenden Veränderungenin der Gestaltung des Unterrichts bzw. des schulischen Alltags analysiert, fällt auf, dass die Neuerungen oft sehr grundsätzlicher Natur sind. So sind z.B. das relativ häufige Organisieren von Unterricht in Form von Projekten sowie Tendenzen in die Richtung, dass Schüler/innen nach individuellen Stoff und Zeitplänen lernen, aber auch das Messen des Lernerfolgs der Schüler/innen an objektiven Standards, die Einführung der Zentralmatura oder die Abschaffung des Klassenwiederholens Maßnahmen, die die Rollenaufteilung zwischen Lehrenden und Lernenden, durch die die Schulrealität bisher ganz entscheidend geprägt war, völlig aus den Angeln heben. Der/die Lehrer/in alszentrale Instanz der Steuerung und Entscheidung über das Unterrichtsgeschehen, der Wissensweitergabe und der Beurteilung des Lernerfolgs wird damit über weite Strecken in Frage gestellt, an ihre/seine Stelle treten zunehmend (tatsächlich oder vorgeblich) objektiv vermittelte Notwendigkeiten. Unschwer lässt sich dabei ein Zusammenhang mit der Herstellung jenes neuen Sozialisationstyps erkennen, den Ulrich Bröckling als „unternehmerischePersönlichkeit“ charakterisiert: Der globalisierte, beschleunigte und konkurrenz intensivierte Kapitalismus erfordert Menschen, die nicht bloß tun, was von ihnen erwartet wird, weil und solange sie durch die Beauftragten der Macht dazu gebracht werden; sie sollen funktionieren, weil sie sich voll und ganz mit jenem System identifizieren, das ihr Funktionieren voraussetzt.

Die Idee hinter dem vorliegenden schulheft bestand darin, ausgehend von der skizzierten Hypothese der „Abschaffung bzw.grundsätzlichen Umgestaltung der LehrerInnenrolle“, die schon im Gang befindlichen sowie die angedachten Veränderungen in Schule und Schulsystem zu analysieren und in diesem Zusammenhangauch zu hinterfragen, inwieweit die bereits bekannten Absichten hinsichtlich einer neuen Form der Lehrer/innenausbildungin die gleiche Richtung weisen.

Im Zusammenhang mit den Recherchen zu den Texten bzw.den Gesprächen mit potentiellen Autor/innen fiel auf, dass die gegenwärtig angedachten bzw. in Gang befindlichen Änderungen in Schule und Lehrer/innenbildung sehr häufig mit Umbrüchen in der ökonomisch-gesellschaftlichen Situation begründet werden. Ganz automatisch gelten die Veränderungen als legitime Begründung dafür, dass sich auch im pädagogischen Feld etwas ändern muss. Pädagogische Bemühungen in der Schule und organisiertes Lernen werden offensichtlich als der ökonomischgesellschaftlichen Sphäre weitgehend untergeordnet wahrgenommen. Die zumindest früher häufig von Lehrer/innen geäußerte Hoffnung, durch gezielte Formen pädagogischen Wirkens den Status quo im Sinne einer humaneren Gesellschaft beeinflussen zu können, scheint in den aktuellen Überlegungen zu Schule und Lehrer/innenausbildung kaum eine Rolle zu spielen. Dementsprechend wenig wird in den Begründungen der pädagogischen Innovation auch der Charakter und die Auswirkungen jener Veränderungen analysiert, von denen behauptet wird, dass auf sie unbedingt reagiert werden muss. Das vorliegende schulheft soll einen kleinen Beitrag dazu leisten, den darin zum Ausdruck skommenden blinden Fleck aufzuhellen.

AutorInnen

AutorInnen

Redaktion

Eveline Christof
Erich Ribolits
Eva Sattlberger,
Johannes Zuber

AutorInnen

Eveline Christof, Mag. Dr.: Assistentin an der Universität Innsbruck, Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung,
Arbeitsschwerpunkte:Lehr- Lernforschung, Bildungsforschung, qualitative Forschungsmethoden.

Anton Dobart, Dr.: Sekt.Chef (BM:UKK), langjähriger Leiter der Abteilung für Bildungsplanung und Schulentwicklung und Leiter der Sektion für das allgemeinbildende Schulwesen, Bildungsplanung und internationale Angelegenheiten. Seit 2010 Leiter der Stabstelle für zentral- und südosteuropäische Projekte.

Karin Dobler, Mag.: AHS- Lehrerin in Wien Simmering (Deutsch, Geografieund Wirtschaftskunde), pädagogische Koordinatorin am SSR für Wien (AHS-Abteilung), Lektorin am Institut für Bildungswissenschaft (Lehrer/innen-Bildung) sowie für Fachdidaktik (Geografieund Wirtschaftskunde) an der Universität Wien; Schulbuchautorin;in der Lehrer/innen-Fortbildung tätig (Themen: Individualisierung,Differenzierung, Kompetenzorientierung, Leistungsbewertung).

Ingolf Erler, Mag.: Bildungssoziologe, arbeitet am Österreichischen Institut für Erwachsenenbildung in Wien.

Roland Fischer, Univ.-Prof. Dr.: Studium Mathematik und Physik, seit 1974 Univ.-Prof. für Mathematik und Didaktik an der Universität Klagenfurt. Gründungsmitglied des IFF (1979), heute „Fakultät fürInterdisziplinäre Forschung und Fortbildung“, von 1994 bis 2009 deren Leiter.
Derzeitige wissenschaftliche Arbeitsschwerpunkte: Philosophie derMathematik, Wissenschaftsdidaktik, Theorie und Organisation von Bildung, Reform der LehrerInnenbildung.

Stefan Götz, Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr.: Stv. Leiter der Forschungsplattform „Theory and Practice of Subject Didactics“/ Teaching Methodology,Fakultät für Mathematik der Universität Wien, Vizestudienprogrammleiter Mathematik, Publikationen zur Didaktik der Mathematik und Elementarmathematik, Herausgeber einer Schulbuchreihe für den Mathematikunterricht der AHS-Oberstufe.

Monika Hofer, Mag. MAS.: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Unterrichtsmedien im Bundesministerium für Inneres sowie Lektorinam Institut für Bildungswissenschaft (Lehrer/innen-Bildung).

Wolfgang Horvath, Mag. Dr.: AHS-Lehrer, Bildungswissenschaftler,Lehrbeauftragter an der Akademie der bildenden Künste.
Forschungsschwerpunkte:Unterrichts-, Erziehungs- und Bildungstheorien.

Julia Köhler, Mag.: Lektorin u.a. am Institut für Bildungswissenschaftder Universität Wien und an der Privaten Pädagogischen HochschuleWien/Krems.
Arbeitsschwerpunkte: Lehrer/innenbildung, Professionalisierungsforschung,Theater- und Dramapädagogik.

Erich Ribolits: Bildungswissenschafter, tätig als Privatdozent an verschiedenen österreichischen Universitäten, Forschungsschwerpunkt:Verhältnis von Arbeit, Bildung und Gesellschaft.
Letzte Buchveröffentlichung:Bildung – Kampfbegriff oder Pathosformel. Überdie revolutionären Wurzeln und die bürgerliche Geschichte des Bildungsbegriffs.

Eva Sattlberger, Mag. Dr.: Seit 2006 Bundeslehrerin im Hochschuldienst am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien, Vizestudienprogrammleiterin Bildungswissenschaft (Lehrer/innen-Bildung),AHS-Lehrerin (Physik und Mathematik), Publikationen zur Didaktik der Mathematik und im Bereich Ausbildung von Betreuungslehrer/innen, Schulbuchautorin.

Ilse Schrittesser, Univ.-Prof. Mag. Dr.: Professorin für Lernforschungan der Universität Innsbruck, Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung, Forschungsschwerpunkte: Professionalisierungsforschungund Lernforschung.

Heidi Schrodt, Mag.: langjährige AHS-Direktorin, Vorsitzende der BildungsinitiativeBildungGrenzenlos.
www.bildunggrenzenlos.at

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Studienverlag: Schulheft 144