159 : Bildungsanlass Erster Weltkrieg

Klappentext

Klappentext

Der Rückblick auf das Gedenkjahr 2014 zum Ersten Weltkrieg ist für das schulheft ein „Bildungsanlass“, um vernachlässigte Themenbereiche aufzuarbeiten und um Fragen zu stellen – Fragen nach Verantwortung und Schuld, nach ökonomischen Hintergründen und nach dem Umgang der Geschichtswissenschaft mit ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung.

Inhalt

Inhalt

Vorwort

Christine Punz, Florian Haderer
Jedem ti Gavrilo!?
Arena des Gedenkens. Sarajevo 2014

Hans Hautmann

Clarks Bestseller – eine Stellungnahme


Winfried Wolf

Rüstung, Krieg & Kapital

Erster Weltkrieg und Ukraine-Krise

Hermes & Ares

Lunapark21 – Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie

Hans Schäppi
Klassengesellschaft im Krieg
Zwischen Neutralität und Wirtschaftsprofiten. Zur Rolle der Schweiz im Ersten Weltkrieg

Hans Hautmann
Die österreichischen Kriegs- und Humanitätsverbrechen im Ersten Weltkrieg – eine Bilanz

Die Alfred Klahr-Gesellschaft

Wolfgang Neugebauer
Franz Conrad von Hötzendorf, ein österreichischer Kriegstreiber und Imperialist

Leseprobe aus dem Roman von Elena Messner:
„Das lange Echo“

Martina Pürkl
Bertha statt Conrad

Anita Ziegerhofer
Der Erste Weltkrieg und die „Kriegsdienstleistungen“ von Frauen
Spurensuche in der Steiermark

Nicole-Melanie Goll
Krieg nach innen

Zivilinternierung in der Habsburgermonarchie
Das Beispiel Thalerhof

Christian Promitzer
Ein verdrängtes Kapitel des Ersten Weltkriegs
Die österreichisch-ungarische Okkupation Montenegros (1916–1918) und ihre Vorgeschichte

Anton Holzer
„Photographische Zitate der Wirklichkeit
Karl Kraus, der Erste Weltkrieg und die Fotografie

Peter Malina
Der Erste Weltkrieg als Schulbuchtext
Sachkenntnis, Betroffenheit und Alltagswissen

Rezension
„Das lange Echo“ weckt die Vernunft und stärkt die Moral

AutorInnen

Vorwort

Vorwort

Dieses schulheft entstand in Zusammenarbeit mit der Alfred Klahr-Gesellschaft und deren Symposium „Die andere Geschichte des Habsburgerreiches im Ersten Weltkrieg“ im November 2014 in Graz. Die Referate und Diskussionen zu Kriegsdiktatur und deren Auswirkungen hat den Wunsch nach einem schulheft zum Thema „Bildungsanlass Erster Weltkrieg“ grundlegend gestärkt. Hans Hautmann konnte für die Redaktion für diese Nummer gewonnen werden.

Der Beitrag „schulheft für den Frieden – was sonst?“ im schulheft 185/2015 vermittelt die lange Tradition der Friedensthematik in unserer Reihe. Da heißt es: „Eine kritische, emanzipatorische, demokratische Pädagogik muss an sich eine friedlichere Welt wollen, aber nicht nur der Moral wegen, sondern sie ist einem Bekenntnis zum aufgeklärten Denken und Handeln verpflichtet“ (S. 28). Diesem Auftrag entsprechend nutzen wir, ein Jahr nach

dem großen Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs, die Möglichkeit zur Kritik am Umgang mit Gedenkjahren und Kriegsgeschichte, verweisen auf Alternativen und füllen einige Lücken. Das Jahr 2014 hat eine Flut von Publikationen und Ausstellungen hervorgebracht, vor allem sozialgeschichtliche Aspekte berücksichtigt und die verheerenden Auswirkungen des Krieges aufgezeigt. Die Fragen nach Verantwortung und Schuld bleiben weitgehend unbeantwortet, ihre Beantwortung hätte natürlich zur Folge, auch heutige Zusammenhänge von kapitalistischer Konkurrenzwirtschaft, Politik und Krieg zu erkennen.

An den Anfang dieser Nummer stellen wir den Beitrag von Christine Punz und Florian Haderer, die sich, von der Inszenierung der Gedenkfeiern in Sarajevo ausgehend, mit der Bedeutung solchen Gedenkens für heutige Machtinteressen auseinandersetzen. Hans Hautmann begründet in seinem Beitrag sehr pointiert den ungeheuren Erfolg Christopher Clarks „Schlafwandler“ eben mit dieser Anpassung an herrschende Interessen.

Winfried Wolf erklärt den Zusammenhang von Ökonomie und Krieg und spannt einen Bogen vom Ersten Weltkrieg zum „Konflikt“ in der Ukraine. Hans Schäppi zeigt, dass die Verschärfung des Klassenkampfes im Krieg auch die Neutralität der Schweiz und deren Interesse an Wirtschaftsprofiten betrifft. Da denkt man an die Neutralität Österreichs unter EU-Bedingungen und an die Beteiligung an Kriegseinsätzen. Noch immer pflegen Medien,

Schulbücher und Mainstream die Verharmlosung der Habsburger und deren Rolle im Ersten Weltkrieg. Hans Hautmann zieht daher eine Bilanz über die Kriegs- und Humanitätsverbrechen im Ersten Weltkrieg, die in dieser Schärfe kaum wo zu finden ist. Über den maßgebenden Strategen für diese Kriegswut, Conrad von Hötzendorf, schreibt Wolfgang Neugebauer und räumt mit dessen Verharmlosung und Verherrlichung auf. Im Anhang zu diesem Thema lieferte Martina Pürkl ein konkretes Beispiel von Conrad-Verehrung bis heute und eine Leseprobe aus dem Roman „Das lange Echo“, von Elena Messner behandelt

die Wirkung Conrad von Hötzendorfs entlarvend. Anita Ziegerhofer geht der Frage nach der Rollen von Frauen im Krieg anhand von Quellenmaterial aus der Steiermark nach. Die Steiermark liefert auch das Beispiel für die verheerenden Internierungslager, Nicole-Melanie Goll befasst sich mit dem Lager in Graz Thalerhof für die Ruthenen der Habsburgermonarchie. Im Zusammenhang mit der Besatzungspolitik der Habsburger, den Lagern und der Zwangsarbeit schreibt Christian Promitzer über Montenegro. Fotografien als vielseitige Quellen für Elend, Verbrechen und Propaganda im Krieg sind die Grundlagen für die Forschungen von Anton Holzer und seines Beitrags über „Photographische Zitate der Wirklichkeit“ (Karl Kraus, der Erste Weltkrieg und die Fotografie). Die Rolle der Schulbücher zum Thema Erster Weltkrieg analysiert Peter Malina. Zum Schluss empfiehlt

das schulheft den Roman von Elena Messner „Das lange Echo“, der auf literarische Art vieles vermitteln kann, was der Geschichtswissenschaft verwehrt ist.

Dem schulheft bleibt für die nächsten Jahren noch die Aufgabe, sich mit Widerstand, Utopien und Revolutionärem im Ersten Weltkrieg und darüber hinaus zu beschäftigen. Ein Vorhaben, das wir wagen sollten.

Elke Renner

AutorInnen

AutorInnen

Nicole-Melanie Goll, Historikerin, Institut für Geschichte (Abt. Zeitgeschichte), Karl-Franzens-Universität Graz

Florian Haderer, Germanist, OöAB-Lektor am Institut für Germanistik, Sarajevo

Hans Hautmann, em. Univ.Prof. Zeitgeschichte, Universität Linz, Vorstandsmitglied der Alfred Klahr-Gesellschaft, Wien

Anton Holzer, Fotohistoriker, Publizist und Ausstellungskurator, Herausgeber der Zeitschrift Fotogeschichte, Wien

Peter Malina, Historiker, Wien

Wolfgang Neugebauer, 1983 bis 2004 wissenschaftlicher Leiter des DÖW, Honorarprofessor für Zeitgeschichte an der Universität, Wien

Christian Promitzer, Historiker am Institut für Geschichte –Südosteuropäische Geschichte und Anthropologie, Karl-Franzens-Universität Graz

Christine Punz, Germanistin und Slawistin, lebt seit 2010 in Bosnien und Herzegowina, seit 2015 Kulturmanagerin, Banja Luka

Martina Pürkl, Weinviertler Schaugärtnerin, Kellergassenführerin, Touristikerin, Online-Redakteurin, Gemeinderätin in Mistelbach

Elke Renner, schulheft-Mitherausgeberin, AHS-Lehrerin i. R.

Hans Schäppi, Historiker, Präsident Solifonds, BastA, Basel

Winfried Wolf, Chefredakteur Lunapark21, Mitherausgeber der Zeitschrift „Fakten Check Hellas“, Berlin

Anita Ziegerhofer, Historikerin, ao. Prof., Karl-Franzens-Universität Graz

Weitere Texte

Weitere Texte

Christian Promitzer
Ein unbekanntes Kapitel des Ersten Weltkriegs: Die österreichisch-ungarische Okkupation Montenegros (1916-1918) und ihre Vorgeschichte

Einleitung

Im Sommer des Jahres 1916 ließ die österreichisch-ungarische Militärverwaltung in Montenegro Offiziere der aufgelösten montenegrinischen Armee und ehemalige Politiker, darunter Minister und Abgeordnete, sowie auch Staatsbeamte und Geistliche verhaften. Mehrere hundert Personen waren von dieser ersten Verhaftungswelle betroffen und wurden in Lager auf dem Gebiet der Donaumonarchie verbracht. Darüber hinaus war das österreichisch-ungarische Militärgouvernement auch daran interessiert, die Arbeitskraft der übrigen Bevölkerung – auch von Frauen, alten Menschen und Kindern in der Form nur oberflächlich verhüllter Zwangsarbeit für militärisch wichtige Arbeiten einzusetzen.

Die Geschichte von Militärverwaltungen während des Ersten Weltkriegs ist trotz einiger Detailstudien noch immer ein relativ neues Forschungsfeld.[1] Dies trifft auch auf die österreichisch-ungarische Okkupation Montenegros zu, die vom Jänner 1916 bis zum Oktober 1918 dauerte. Sie ist in der älteren deutschsprachigen Forschung nur von Hugo Kerchnawe, der während des Ersten Weltkriegs selbst Generalstabschef des kaiserlichen und königlichen Militär-Generalgouvernements im benachbarten Serbien war, angesprochen worden, indem er die damaligen österreichisch-ungarischen Militärverwaltungen in die Tradition der einstigen Habsburgischen Militärgrenze stellte.[2] In jüngster Zeit haben sich einerseits die Wiener Historikerin Tamara Scheer in einer vergleichenden Abhandlung zu österreichisch-ungarischer Militärverwaltungen in den Jahren 1914-1918 und andererseits der deutsche Historiker Heiko Brendel in mehreren Aufsätzen mit dieser Frage im Hinblick auf Montenegro auseinandergesetzt.[3] Von montenegrinischer Seite gibt es bislang zwar nur eine Monographie aus der Feder von Novica Rakočević; diese befasst sich jedoch ausführlich mit dem Thema und ist bereits im Jahr 1969 veröffentlicht worden.[4] Die Originalquellen der österreichisch-ungarischen Militärverwaltung befinden sich in nur oberflächlich geordnetem Zustand als Teil der „neuen Feldakten“ teilweise im österreichischen Kriegsarchiv in Wien, während sich der andere Teil in noch nicht bearbeitetem Zustand im montenegrinischen Staatsarchiv in Cetinje abgelegt ist.

In diesem Beitrag soll im Großen und Ganzen anhand der hier erwähnten Literatur, sowie auf Grund einiger weniger eigener Quellenstudien im österreichischen Kriegsarchiv ein kurzer Überblick über diesen bislang kaum beachteten Teil der anderen Geschichte des Habsburger Reiches im Ersten Weltkrieg vorgestellt werden. Eine Revision der bisherigen Forschungen wird nicht angestrebt. Vielmehr sollen bisherige Erkenntnisse in knapper Form und pointiert zusammengefasst werden.

Die Relevanz einer Konzentration auf Montenegro ist nicht zuletzt darin zu suchen, dass dieses Land im Laufe des Ersten Weltkriegs der einzige feindliche Staat war, der von den Landstreitkräften der Habsburger Monarchie aus eigener Kraft besiegt wurde, wobei Generalstabschef Hötzendorf den Angriff auf Montenegro erst gegen den damaligen Leiter der Obersten Heeresleitung Erich von Falkenhayn durchsetzen hatte müssen.[5] An anderen Kriegsschauplätzen waren die militärischen Erfolge der Gemeinsamen Armee Österreich-Ungarns weitaus bescheidener gewesen: So war es ihr im ersten Kriegsjahr nicht möglich gewesen, mit eigenen Kräften die Eroberung Serbiens zu bewerkstelligen, obwohl dieses Land weitaus kleiner war als die Habsburger Monarchie und bei Ausbruch des Krieges am 28. Juli 1914 außerdem noch schwer an den Folgen der beiden Balkankriege von 1912-13 litt. Die Niederwerfung Serbiens erfolgte daher erst im Herbst des Jahres 1915 und zwar mit einem kombinierten Angriff der Gemeinsamen Armee und des Deutschen Heeres von Norden her unter dem Oberkommando des deutschen Generals August von Mackensen. Die Armee Bulgariens, das sich den Mittelmächten angeschlossen hatte, griff Serbien unterdessen von Osten her an, so dass sich die bisher ungeschlagene serbische Armee vor diesen vereinten Kräften zurückweichen musste und sich über die albanischen und montenegrinischen Berge an die Adria zurückziehen musste.[6]

Der Beteiligung der Mittelmächte am Angriff entsprechend wurde das okkupierte Serbien unter Österreich-Ungarn, Bulgarien und dem Deutschen Reich aufgeteilt. In Montenegro hingegen war allein die Gemeinsame Armee für die Besatzung verantwortlich. Daher ist die Verantwortung der Doppelmonarchie und insbesondere ihres österreichischen Teils für die Folgen der Besatzung Montenegros noch höher zu bewerten als etwa im Falle Serbiens.

 

Der geographische Rahmen

Wenn man das Größen- und das Stärkeverhältnis zwischen Österreich-Ungarn und Montenegro betrachtet, so springt sofort die Ungleichheit der militärischen Ausgangslage ins Auge: Die Habsburger Monarchie hatte eine Größe von etwa 676.000 km2 und eine Bevölkerung von 51 Millionen Einwohnern, das Königreich Montenegro zählte hingegen nur 14.000 km2 und wies eine Bevölkerung von 423.000 Menschen, davon machten AlbanerInnen ein Viertel aus. Montenegro hatte allerdings einen beträchtlichen Teil seines Gebietes wie auch seiner Bevölkerung erst im Ersten Balkankrieg von 1912-1913, der sich gegen das Osmanische Reich richtete, gewonnen. Bis dahin hatte Montenegro nur eine Fläche von 9.500 km2 eingenommen, auf der eine Bevölkerung von 220.000 Menschen lebte.[7] Zudem konnte die montenegrinische Regierung die knapp 1 ¼ Jahre, die vom Ende des Ersten Balkankriegs bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs lagen, nur zu einem geringen Teil dafür nützen, um die neuen Gebiete, die eine schwere wirtschaftliche Bürde darstellten, und die zusätzliche Bevölkerung in den bestehenden Staat zu integrieren. Darunter befanden sich viele Bosniaken, die im Gebiet des Sandžak von Novipazar lebten, und Albaner im heute zum Kosovo gehörenden Gebiet rund um die Stadt Pež (alb. Peja).[8]

Die Bosniaken, die durchwegs muslimisch waren, und die Albaner, die es überwiegend waren, galten zudem als austrophil. Die Habsburger Monarchie hatte die Muslime in der Provinz Bosnien-Herzegowina, zu der auch der Sandžak gehörte, zufolge des Berliner Kongresses von 1878 vom Osmanischen Reich übernommen. Zwar blieb Bosnien-Herzegowina nominell dem Sultan unterstellt, aber in der Praxis zählten die österreichisch-ungarische Okkupation und die mit ihr einhergehende K.-und-k.-Verwaltung des Landes. Österreich-Ungarn tastete die ungleiche Agrarstruktur von Bosnien-Herzegowina nicht an, wodurch die muslimischen Großgrundbesitzer gegenüber den neuen österreichisch-ungarischen Herren milde gestimmt werden sollten. Als nun die Monarchie im Jahr 1908 Bosnien-Herzegowina förmlich annektierte, bezog sie den Sandžak nicht ein, sondern überließ ihn wiederum dem Osmanischen Reich. Die Herrschaft des letzteren sollte sich dort jedoch nur vier Jahre – bis zum Ersten Balkankrieg – halten. Danach fiel die südwestliche Hälfte des Sandžak an Montenegro.[9] Gegenüber der albanischen Bevölkerung hatte Österreich-Ungarn zudem schon seit geraumer Zeit eine Politik eingeschlagen, die die albanische Bevölkerung gegenüber den südslawischen Staaten Serbien und Montenegro begünstigte. So war es u.a. Österreich-Ungarn das sich im Frühjahr 1913 durchsetzen konnte, dass auf einem Teil des im Ersten Balkankrieg von 1912-13 von Serbien und Montenegro eroberten osmanischen Territoriums ein unabhängiger albanischer Staat geschaffen wurde. Dies hatte zur Folge, dass Serbien keinen territorialen Zugang zur Adria erhielt und Montenegro die von seinen Truppen im Krieg besetzte Stadt Shkoder zugunsten Albaniens herausgeben musste.[10]

Das Staatsgebiet von Montenegro war damals überwiegend auf das weitere Hinterland der Adria beschränkt; nur im Süden verfügte das kleine Königreich mit der Stadt Bar auch über einen Meereshafen. Im Süden grenzte es an das eben erst gegründete Albanien, während es im Osten und Nordosten an das Königreich Serbien anschloss. Diese Grenzen mit diesen beiden Ländern waren neu, und vor dem Ersten Balkankrieg war hier das Osmanische Reich der unmittelbare Nachbar Montenegros gewesen. Im Nordwesten und Westen grenzte Montenegro hingegen an Österreich-Ungarn, genauer gesagt an die Herzegowina und Süddalmatien. Zu letzterem gehörte der wichtige k. u. k. Militärhafen Cattaro bzw. Kotor in der nach dieser Stadt benannt Bucht Bocche di Cattaro bzw. Boka Kotorska. Zwischen Kotor und der in einem karstigen Gebirgskessel gelegenen montenegrinischen Hauptstadt Cetinje lagen nur wenige Kilometer Luftlinie – allerdings auch das auf montenegrinischem Gebiet liegende Massiv des Lovćen-Gebirges, das eine natürliche strategische Position darstellte, von dem aus die Boka Kotorska kontrolliert werden konnte. Während das österreichische Cattaro eine alte venezianische Stadt war und für Montenegro das Fenster zur Welt darstellte, war Cetinje nur eine dorfartige Siedlung mit wenigen Straßen, die seit dem 18. Jahrhundert rund um das dortige Kloster entstanden war.

 

Historische Hintergründe[11]

Zum besseren Verständnis ist es unumgänglich, einige grundsätzliche Fakten zur Geschichte Montenegros und seines Verhältnisses zur Habsburger Monarchie und zu Serbien aus der Zeit vor dem Kriegsausbruch anzuführen: Montenegro war ursprünglich ein orthodoxes Bistum am Rande des osmanischen Reiches gewesen, dessen Bischöfen es im Laufe der Jahrhunderten gelang, sich Schritt für Schritt von der Oberherrschaft des Sultans zu lösen. Die Bischöfe stützten sich dabei auf die Hilfe der benachbarten Venezianer, die bis zur Zeit Napoleons die dalmatinische Küste und Kotor beherrschten. Ideologisch wichtiger war jedoch die Bindung an den fernen Zaren in Petersburg. Gegenüber dem Osmanischen Reich und im frühen 20. Jahrhundert auch gegenüber dem Habsburger Reich breitete Russland immer wieder seine schützende Hand über das kleine Land aus. Erst mit der Oktoberrevolution von 1917 sollte dieses Schutzbündnis ein Ende finden. Parallel dazu war es den montenegrinischen Bischöfen jedoch auch wichtig, enge Kontakte zur Habsburger Monarchie zu halten, die seit dem Sieg über Napoleon im Besitz von Dalmatien und damit auch von Kotor war. Die Habsburger Monarchie und Russland waren es auch, die in den 1850er Jahren die Säkularisierung des Bistums zuließen, so dass der Herrscher sich nunmehr als Fürst bezeichnen ließ und heiraten konnte, um eine dynastische Erbfolge zu ermöglichen.

Unter dem von 1860 bis 1918 regierenden Fürst Nikola I. Petrović Njegoš gehörte Montenegro zu den Gewinnern des in den Jahren 1877-1878 unter russischer Ägide geführten Kriegs gegen das Osmanische Reich. Damals erwarb Montenegro die Städte Nikšić und Podgorica – letztere ist die heutige Hauptstadt – und den Adriahafen Bar. Montenegro wurde auf dem Berliner Kongress von 1878 von den dort tagenden Großmächten für unabhängig erklärt. Es dauerte jedoch bis 1905, ehe Nikola dem Land eine Verfassung gewährte und die konstitutionelle Monarchie eingeführt wurde.

Die Zeit zwischen dem Berliner Kongress und dem Ausbruch des Ersten Balkankriegs im Jahr 1912 war eine sehr dynamische: War Montenegro zuvor ein von Viehwirtschaft geprägtes Land gewesen, das regional in mehrere Stammesverbände gegliedert war, die sich als patriarchale Abstammungsgruppen begriffen, so führte der Ausbau einer modernen Verwaltung zur Schwächung, wenn auch nicht zur völligen Abschaffung dieser Stammesverbände. Zwischen die ländliche Bevölkerung, die noch lange Zeit die überwiegende Mehrheit bildete, und den Fürsten schob sich langsam ein entstehendes Kleinbürgertum. Neben Händlern und Gewerbetreibenden, sowie den noch sehr schwach vertretenen freien Berufen der Ärzte und Rechtsanwälte, entstand eine schmale Schicht von Beamten und Lehrern. Außerdem wurde diese Schicht durch die Gruppe der Offiziere in einem nunmehr professionalisierten Heer verstärkt. Da die Industrie allerdings noch in den Kinderschuhen steckte, konnte von einer Arbeiterklasse noch kaum die Rede sein. Das Land blieb somit agrarisch geprägt, wobei es von den eigenen Bodenprodukten nicht leben konnte und von Importen aus der Habsburger Monarchie und aus Russland abhängig war. Nur im Hinblick auf tierische Produkte konnte es seinen Eigenbedarf decken.[12]

Außenpolitisch hatte Montenegro zwischen Serbien, Österreich-Ungarn und Russland zu lavieren. Neben Serbien verstand sich damals auch Montenegro als serbischer Staat. Eine montenegrinische Nation gab es damals noch nicht. Montenegro konnte in der Tat auf eine längere staatliche Tradition zurückblicken als das eigentliche Serbien. Im Falle einer Vereinigung mit Serbien stellte daher die montenegrinische Dynastie der Petrovići den Anspruch auf Übernahme des serbischen Herrschertitels. Als in Belgrad im Jahr 1903 die Dynastie der Obrenovići gestürzt wurde, wählten die serbischen Verschwörer jedoch nicht den montenegrinischen Fürsten zu ihrem Herrscher, sondern Petar Karađorđević. Dadurch geriet der montenegrinische Fürst ins Hintertreffen. Diese nachteilige Positionierung der montenegrinischen Dynastie zeigte sich nun auch im Verhältnis zu Russland, das sich immer mehr dem größeren serbischen Königreich zuwandte und Montenegro nur mehr eine sekundäre Position einräumte. Umgekehrt war Österreich-Ungarn war seinerseits daran gelegen, dass es nicht zu einer Vereinigung von Serbien und Montenegro kam, da eine solche Vereinigung den Habsburgischen imperialistischen Aspirationen auf dem Balkan einen territorialen Riegel vorgeschoben hätte. Nachdem die Donaumonarchie keine Übersee-Provinzen hatte und sie einen Großteil ihrer italienischen Besitzungen verloren hatte, blieb ihr nur mehr die sogenannte „Europäische Türkei“, d.h. die europäischen Provinzen des abgewirtschafteten Osmanischen Reichs, um einen Imperialismus österreichisch-ungarischer Prägung zu entwickeln.[13]

Derartige Aspirationen fand in erster Linie in der Wirtschafts- und Handelspolitik sowie durch Versuche außenpolitischer Beeinflussung ihren Ausdruck; aber auch Gebietserwerbungen waren nicht ausgeschlossen: Auf dem Berliner Kongress von 1878 sicherte sich die Donaumonarchie, wie bereits erwähnt, die Verwaltung der bisher osmanischen Provinz Bosnien-Herzegowina zu, auf die auch die Aspirationen Serbiens und Montenegros gerichtet waren. Die Donaumonarchie übte weiters das sogenannte Kultusprotektorat über die Katholiken des Osmanischen Reichs aus. Diese Stellung als Schutzmacht war vor allem für die Katholiken im Norden Albaniens von Bedeutung. Montenegro, das nun ein unabhängiger Staat war, stand jedoch den Ambitionen der Donaumonarchie, die sich auf das osmanische Albanien richteten, im Weg. Immerhin gelang es Österreich-Ungarn auf dem Berliner Kongress durchzusetzen, dass Montenegro seinen Hafen Bar nicht zum Ausbau einer militärischen Flotte nützen konnte, vielmehr sicherte es sich selbst die militärische Kontrolle des Hafengebiets. Insofern war die montenegrinische Souveränität auch nach dem Berliner Kongress keine vollständige.[14]

Was infrastrukturelle Modernisierung, Straßenbau, Trockenlegung von Sümpfen und vor allem, was den Wissenserwerb von einheimischen Schülern und Studenten auf Gymnasien und Universitäten betraf, so war Montenegro von der Habsburger Monarchie völlig abhängig. Daher war Fürst Nikola bestrebt, trotz seiner engen Bindungen an Russland, ein gutes Einvernehmen mit der Donaumonarchie zu haben. Der 1908 erfolgte Putsch der Jungtürken im Osmanischen Reich sollte die Verhältnisse jedoch ändern: Österreich-Ungarn glaubte, dass die internationale Situation günstig genug sei, um die lange geplante Annexion Bosnien-Herzegowinas in die Tat umzusetzen. Doch nachdem dieser Schritt vollzogen worden war, sahen Serbien und Montenegro ihre Aspirationen auf Bosnien-Herzegowina nun endgültig geschwunden. Sie fanden Unterstützung bei Russland und Frankreich – und es kam es zu einer europäischen Krise, während derer Österreich-Ungarns Haltung vom Deutschen Reich unterstützt wurde. Mehrere Monate lang sah es so aus, als würde wegen der Annexion ein europäischer Krieg ausbrechen, doch auf dem Feld der Diplomatie konnte die Situation noch einmal gerettet werden, indem Österreich-Ungarn Konzessionen machte: Es verzichtete auf seine bisher gegenüber dem Haben Bar ausgeübten Rechte;[15] es zog auch, wie bereits erwähnt, seine Besatzungstruppen aus dem Sandžak von Novipazar zurück und übergab dieses Gebiet wieder der osmanischen Verwaltung.

1910 ließ sich Fürst Nikola zum König ausrufen. Dies geschah u.a. auch aus dem Grund, um bei einer eventuellen Vereinigung mit Serbien mit dem serbischen König auf Augenhöhe um die Position des gemeinsamen Herrschers kämpfen zu können. Nikola hatte zudem mit einer wachsenden proserbischen Bewegung unter Gymnasiasten und Studenten zu tun, die seine Herrschaft zunehmend in Frage stellten und eine Vereinigung mit Serbien unter dem Haus der Karađorđevići forderten.

Im Balkankrieg von 1912-1913 gelang es Montenegro zwar weitere Gebiete vom Osmanischen Reich zu erwerben – darunter waren Teile des Kosovo und, wie gesagt, die südwestliche Hälfte des Sandžak. Allerdings zog Österreich-Ungarn, wie ebenfalls bereits angemerkt, eine rote Linie – die von der montenegrinischen Armee eingenommene Stadt Shkoder musste König Nikola unter massivem österreichisch-ungarischem Druck, der mit einem militärischen Aufmarsch an der Grenze verbunden war und den Fall „M“, den Krieg mit Montenegro vorsah, wieder herausgeben.[16] Dies führte nicht nur zu einer verbreiteten anti-österreichischen Stimmung unter der montenegrinischen Bevölkerung, sondern auch zu einer weiteren innenpolitischen Schwächung von König Nikola.

 

Montenegro vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Flucht von König Nikola

Nach der Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers am 28. Juni 1914 versuchte Nikola zwar noch zwischen Österreich-Ungarn und Serbien zu lavieren; als jedoch das Österreichisch-ungarische Ultimatum an Serbien gestellt wurde, bezog Montenegro eindeutig Position an der Seite Serbiens und Russlands. Österreich-Ungarn hätte es gerne gesehen, wenn seine rechte Flanke frei geblieben wäre und sich Montenegro in der militärischen Auseinandersetzung mit Serbien neutral verhalten hätte, doch das kleine Königreich erklärte - wenn auch mit geringfügiger Verspätung – Österreich-Ungarn am 6. August 1914 den Krieg.[17]

Im Kriegsgeschehen der folgenden eineinhalb Jahre spielte Montenegro nur eine sekundäre Rolle. Seine Armee war völlig unvorbereitet in den Krieg eingetreten. Das Land lag nach den beiden Balkankriegen der Jahre 1912-1913 ökonomisch am Boden, und die Staatskasse war leer. Es gab zu wenig Waffen, Munition und Vorräte. Etwas Kriegsmaterial konnte über Serbien herantransportiert werden, doch der Nachschubweg über die Adria war alsbald durch die Operationen k. u. k. Marine, die auch einzelne Schiffe der Entente versenkte, versperrt. So mussten die montenegrinischen Truppen an der Front auf das Mittel der Requisition zurückgreifen, um sich überhaupt ernähren zu können. Im Herbst 1915 war überall der Mangel an Nahrung zu spüren und für den Winter war eine Hungerkatastrophe zu befürchten. Immer mehr Rekruten wurden fahnenflüchtig.[18]

Zudem hatte die montenegrinische Armee kaum einen eigenständigen Handlungsspielraum: Zwar gelang es den schmalen österreichisch-ungarischen Küstenstreifen nördlich und südlich von Budva zu erobern, doch ein Artillerieangriff französischer Einheiten vom Lovćen aus auf Kotor gescheiterte. Danach sollte an dieser Seite der Front für über ein Jahr ein nicht erklärter Waffenstillstand herrschen.[19] Somit konnten die montenegrinischen Truppen anderswo engagiert werden, zumal Serbien, Russland und Frankreich forderten, dass diese den linken Flügel der serbischen Abwehr bilden sollten. Wichtige Truppenteile, die zum Schutz der montenegrinischen Hauptstadt am Lovćen abgestellt waren, sowie Einheiten, die an der Grenze zur Herzegowina postiert waren, daher abgezogen und weiter nordöstlich im Sandžak gegenüber den von Ostbosnien aus operierenden österreichisch-ungarischen Truppen eingesetzt. Um die montenegrinischen Einheiten stärker an die serbischen zu binden, waren Nikola und die montenegrinische Regierung schon zu Kriegsbeginn gezwungen, serbische Stabsoffiziere in das montenegrinische Oberkommando aufzunehmen. Božidar Janković, ein General aus Serbien, wurde im Spätsommer 1914 Oberkommandierender der montenegrinischen Armee. Er wurde ein Jahr später vom serbischen Obersten Petar Pešić ersetzt.[20]

Bulgarien trat im Herbst 1915 auf der Seite der Mittelmächte in den Krieg ein. Dadurch konnten die Mittelmächte eine zweite Front gegenüber Serbien eröffnen. Erst dieser Umstand ermöglichte den siegreichen Feldzug deutscher und österreichisch-ungarischer Truppen gegen die bisher standhafte serbische Armee. Diese hatte sich zwischen einer Kapitulation oder den Rückzug über Montenegro und Albanien zu entscheiden. Sie wählte den letzteren Weg, der auch als „serbisches Golgatha“ in die nationale serbische Erinnerungskultur eingeschrieben werden sollte, da zahlreiche serbische Soldaten dem Hunger, der Kälte und dem albanischen Widerstand zum Opfer fielen. Ein Teil der serbischen Truppen und auch die serbische Regierung sowie die Familie und der Hofstaat des serbischen Königs traten den Rückzug über montenegrinisches Gebiet nach Nordalbanien an. Dabei wurden sie von den Einheiten der montenegrinischen Armee geschützt.[21]

Nunmehr war Montenegro auf sich selbst gestellt. Es war unzweifelhaft, dass das kleine Land das nächste Ziel der österreichisch-ungarischen Armee sein würde. Frankreich und das inzwischen auf Seiten der Entente in den Krieg eingetretene Italien versprachen zwar Nachschub über die Adria zu bringen, doch blieben dies leere Versprechungen, sodass Ende des Jahres 1915 die montenegrinische Armee vor einer ähnlichen Frage stand wie die serbische: entweder Kapitulation oder Rückzug nach Albanien. Eine dritte Möglichkeit wäre ein Separatfrieden gewesen. Eine solche Option war auch von Conrad von Hötzendorf und dem österreichisch-ungarischen Außenminister Burian erwogen worden, hätte jedoch König Nikola, wenn einen solchen unterzeichnet hätte, vor seiner eigenen Bevölkerung kompromittiert. Vor diese Situtation gestellt verharrte Nikola in Passivität, und am 9. Jänner 1916 kam es zum Durchbruch der montenegrinischen Front am Lovćen.[22] Während sich der König und die montenegrinische Regierung nach Podgorica zurückzogen, erfolgten die ersten Waffenstillstandsverhandlungen, wobei die Österreichisch-ungarische Seite auf eine Kapitulation der montenegrinischen Armee drängte. Wenige Tage danach reisten der König und der Ministerpräsident ins albanische Shkoder, um sich von dort kurze Zeit darauf nach Italien einzuschiffen, ohne sich noch weiter um die Lage in Montenegro zu kümmern.[23]

Die in Podgorica zurückgebliebenen drei Minister formierten sich als „Rumpfregierung“. Diese nahm die Kapitulationsbedingungen der österreichisch-ungarischen Unterhändler an und löste am 21. Jänner 1916 die montenegrinische Armee auf, indem sie die Mannschaften und Offiziere, soweit sie nicht in Kriegsgefangenschaft geraten waren, nach Hause schickten.[24] In der Folge kam es zu längeren Verhandlungen über die Abgabe der Waffen seitens der montenegrinischen männlichen Bevölkerung, während die wenigen noch im Lande befindlichen serbischen Soldaten in die Kriegsgefangengenlager abgeführt wurden.[25]

 

Etablierung und Aufgaben des österreichisch-ungarischen Militärgeneralgouvernements

Zu diesem Zeitpunkt trat Hötzendorf bereits für die Annexion Montenegros an Österreich-Ungarn ein, und der österreichische Ministerpräsident, Karl Stürgkh erklärte im Gemeinsamen Ministerrat der Doppelmonarchie: „Die Montenegriner müssten in Hinkunft in ihren Bergen zurückgehalten und ihr Land etwa wie ein amerikanischer Naturpark behandelt werden.“[26]

Nur das k. u. k. Außenministerium plädierte noch für den Erhalt des montenegrinischen Staates, freilich unter der strengen wirtschaftlichen und militärischen Aufsicht der Donaumonarchie und unter Verlust seines Adriazugangs.[27] Als sich jedoch vom staatsrechtlichen Standpunkt herausstellte, dass nicht die „Rumpfregierung“, sondern nur der inzwischen im feindlichen Frankreich weilende König Nikola die Kapitulation unterschreiben bzw. die Rumpfregierung dazu bevollmächtigen konnte, war das Schicksal des Staates Montenegros und seiner „Regierung“, die ohnehin nur wenig faktische Macht besaß, besiegelt. Denn selbst wenn Nikola eine etwas Derartiges unterschreiben wollte, so hätte er damit sein Gastland, das auf Seiten der Entente stand, kompromittiert.[28]

Am 28. Februar 1916 wurde die montenegrinische „Rumpfregierung“ daher durch das Kommando der österreichisch-ungarischen Besatzungstruppen aufgehoben und am 1. März durch ein Militärgeneralgouvernement unter der Leitung von General Viktor Weber von Webenau ersetzt. Webers Gegenspieler im Militärgouvernement war der Delegierte des Außenministeriums, der Diplomat Eduard Otto, der als ehemaliger österreichisch-ungarischer Botschafter am montenegrinischen Hof als Experte für die hiesigen Verhältnisse galt und künftig gleichsam eine Rolle als Pflichtanwalt der montenegrinischen Bevölkerung wahrnehmen und gegen die schärfsten Maßnahmen des Militärgeneralgouverneurs – wenn auch zumeist vergeblich – Protest einlegen sollte.[29]

Das Militärgeneralgouvernement hatte nicht nur militärische und polizeiliche Funktionen zu übernehmen, sondern auch sämtliche zivilen Agenden. Ihm unterstanden sieben, später acht Kreiskommandos, unterhalb derer 29, später 27 Bezirkskommandos eingerichtet wurden. Die unterste Ebene bildeten die 54 Kapitanate (kapitanije); mit Ausnahme der Kreishauptstädte, die den Kreiskommandanten direkt unterstanden, konnten die bisherigen Vorsteher der Kapitanate ihr Amt weiter ausführen, sofern sie loyal waren. Da sich die Kapitanate für die Verwaltung jedoch als unpraktisch erweisen sollten, wurden sie bis zum Sommer 1917 aufgelöst und durch die Einrichtung von 215 Gemeinden ersetzt.[30] Das Gerichtswesen war in einen militärischen Zweig, der von Personal der Gemeinsamen Armee betrieben wurde, und in einen zivilen Zweig geteilt. Es gab zwei Ebenen von Zivilgerichten: Bezirksgerichte als untere Ebene und Kreisgerichte auf der höheren Ebene. Vorsitzende der Bezirksgerichte waren die Bezirkskommandanten und der Kreisgerichte entsprechend die Kreiskommandanten. Unter den Richtern der Bezirksgerichte gab es Montenegriner, während sie unter den Richtern der Kreisgerichte nicht vertreten waren, diese wurden mehrheitlich von Juristen aus Dalmatien und Bosnien-Herzegowina gestellt.[31] Dieselbe Ordnung galt insgesamt für alle Verwaltungsstellen auf höherer Ebene: Auch hier ersetzten taugliche Personen aus der Monarchie mit Kenntnis der Landessprache – also zumeist Südslawen aus Dalmatien und Bosnien-Herzegowina die bisherige einheimische Beamtenschaft. Die einzige prominente Ausnahme bildete der frühere Finanzminister Filip Jergović, der als Berater in der Finanzabteilung des Militärgeneralgouvernements eingesetzt wurde.[32] Die in den Gebieten mit einem namhaften albanischen und muslimischen Bevölkerungsteil betriebene Ersetzung des bisherigen montenegrinischen subalternen Verwaltungspersonals durch albanische bzw. muslimische Beamte gelang jedoch nicht immer, da meist nur die örtliche serbisch-orthodoxe Bevölkerung schriftkundig war.[33] Immerhin gelang es, 2000 Freiwillige unter der muslimischen Bevölkerung Montenegros für die Streitkräfte der Mittelmächte anzuwerben.[34]

Im Hinblick auf kulturelle Angelegenheiten verbot die Militärverwaltung – gegen den Rat von Otto – die Verwendung der kyrillischen Schrift; wie im gleichfalls besetzten Serbien hatten alle schriftlichen Äußerungen in lateinischer Schrift zu erfolgen.[35] Da im Frühjahr 1917 jedoch noch immer kyrillische Aufschriften, auch in Cetinje, vorhanden waren, musste die Militärverwaltung neuerlich auf ihre Entfernung und Ersetzung „durch kroatische“ drängen.[36]

In den nach und nach wieder eröffneten Schulen wurde die lateinische Schrift ab dem Schuljahr 1916/17, angeblich auf Grund von praktischen Erwägungen, in einem insgesamt dem kroatischem Vorbild folgenden Lehrplan durchgesetzt. Dies gelang, indem vorab jede Lehrperson, um weiter angestellt zu werden, feierlich ihren Gehorsam gegenüber der Militärverwaltung hatte erklären müssen, wie auch, dass sie sich keinesfalls mit Politik beschäftigen würde. Auch jeder Unterricht aus der serbischen Geschichte war nun verboten. Im Ausgleich dafür wurde den Lehrpersonen in Aussicht gestellt, von Internierung und Zwangsarbeit verschont zu bleiben. Doch angesichts dieser Bedingungen reichten 13 Lehrer aus dem Bezirk Danilovgrad ihre Kündigung ein, „denn die kyrillische Schrift und die serbische Geschichte sind die Aorta des serbischen Nationalismus; wir haben uns nur darauf vorbereitet serbische Lehrer zu sein – wir wollen nicht anational sein.“ Dieser Schritt hatte zur Folge, dass das Militärgouvernement mehrmonatige Gefängnisstrafen über sie verhängte, nach deren Verbüßung sie in Internierung gehalten wurden. Parallel zu den Sanktionsmaßnahmen gegenüber montenegrinischen Lehrpersonen versuchte die Militärverwaltung auf der anderen Seite den Unterreicht für katholische, albanische und slawisch-muslimische Bevölkerungsteile zu fördern.[37] Die Anordnungen, die in diese Richtung gingen, waren jedoch mehr der Loyalität dieser Gruppen gegenüber der Monarchie geschuldet als einem authentischen Willen des Militärgouvernements, der vorgefundenen ethnischen Vielfalt im Bildungsbereich Rechnung zu tragen. Dementsprechend ist es nicht falsch, all die eben geschilderten Maßnahmen der Militärverwaltung als Ausfluss einer gegen das Serbentum der montenegrinischen Bevölkerung gerichteten Entnationalisierungspolitik zu bezeichnen. In dieselbe Kerbe schlug auch die Entfernung der Gebeine des montenegrinischen Dichterfürsten Petar Petrović Njegoš aus seinem Grab am Lovćen, was unter der montenegrinischen Bevölkerung große Aufregung verursachte.[38]

Ab August 1916 wurde zudem ein deutschsprachiges Organ der Militärverwaltung herausgegeben, das die bisherige montenegrinische Presse ersetzte: die Cetinjer Zeitung, die – unter den Bedingungen der Militärzensur produziert – bis Oktober 1918 erscheinen sollte. Das Blatt richtete sich sowohl an das montenegrinische Publikum wie auch an die Besatzungstruppen und bildete einen wesentlichen Bestandteil der Propagandaarbeit.[39] Daneben wurden Feldkinos, die teilweise auch mobil waren, sowohl in Montenegro als auch im benachbarten Albanien als moderne Mittel der Propaganda eingesetzt.[40]

Die Militärverwaltung sah sich selbst als Träger einer „abendländischen Kulturmission.“ In der Praxis sollte dieses Selbstbild durch Eingriffe in die Armenversorgung und in das bestehende Hygiene- und Sanitätswesen, insbesondere in der Seuchenbekämpfung, und nicht zuletzt durch den Bau von Brunnen, Senkgruben, Brücken sowie Straßen unterfüttert werden. Die Arbeiten wurden nicht nur von Soldaten der Besatzungsmacht ausgeführt, sondern auch von russischen, italienischen und rumänischen Kriegsgefangenen wie auch Montenegrinern selbst.[41] In ideologischer Hinsicht war mit diesen Projekten, sofern sie nicht ohnehin nur unmittelbaren militärischen Zwecken dienten, nichts weniger beabsichtigt als „die Heranführung der Bevölkerung an die Moderne“, sowie ihre „Kooperation“ wie auch „eine höhere Produktivität“ durch „politische Erziehungsarbeit.“ Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf den Sandžak gelegt, wo die als loyal erachtete muslimische Bevölkerung lebte.[42]

Die wichtigste Angelegenheit, mit der sich das Militärgouvernement zu befassen hatte, war die bereits vor der Kapitulation bestehende Unterversorgung der Bevölkerung mit Nahrung. Das Besatzungsgebiet war beständig auf die Einfuhr von Lebensmitteln angewiesen: Bis zum Juli 1917 mussten monatlich 80 bis 90 Waggons Getreide aus der Habsburger Monarchie eingeführt werden.[43] Doch die ganze Zeit der österreichisch-ungarischen Besatzung hindurch sollte die Bevölkerung hungern. Zeitgenössische italienische Propagandaquellen sprachen sogar von 10.000 Hungertoten in Montenegro. Laut Heiko Brendel dürfte ihre Zahl für den Zeitraum der Besatzung immerhin mehrere tausend betragen haben.[44]

Einheimische Offiziere und Beamte, die nun ohne Arbeit waren, erhielten nur mehr die Hälfte ihres bisherigen Gehalts in der montenegrinischen Währung Perpera. Dieser war jedoch im Vergleich zur Krone immer weniger wert, woran auch das Abstempeln der Papier-Perpera und das Einfuhrverbot von montenegrinischen Valuten nichts änderte. Immer größere Anteile des Einkommens mussten für die Besorgung von Nahrungsmitteln ausgegeben werden und Ersparnisse in Silber und Gold aufgebraucht werden. So wurden im Laufe der zweieinhalb Besatzungsjahre private Bestände an Gold in der Höhe von 4,5 Millionen Kronen nach Österreich-Ungarn ausgeführt. Außerdem wurde das bei Kriegsausbruch von der montenegrinischen Regierung erlassene Privatschuldenmoratorium außer Kraft gesetzt. Um den durch diese Maßnahmen immer mehr um sich greifenden Hunger und Mangelerscheinungen zu begegnen, erlaubte die Militärverwaltung die Ausgabe von Lebensmitteln aus Kreismagazinen, die sonst für die Organisierung des Handels bestimmt waren, und eröffnete in den größeren Orten Volks- und Schulküchen.[45]

Die Bauern hatten hingegen unter den Requirierungen von Vieh und von Viehprodukten wie Wolle und Getreide zu leiden; so war für 1916 ein weit überhöhtes Viehkontingent von 20.000 Rindern und 80.000 Stück Stechvieh veranschlagt worden. Die Entschädigungen, sofern sie ausgezahlt wurden, waren weit unter dem Wert der abgegebenen Artikel. Das Viehkontingent musste 1917 entsprechend reduziert werden, und 1918 reichte es nicht einmal für die Versorgung der Besatzungstruppen, sodass zusätzliches Vieh aus der Monarchie eingeführt werden musste. 1916 wurde noch die ganze Ernte von der Militärverwaltung beschlagnahmt, was sich jedoch als kontraproduktiv erwies. Daher ging man in den folgenden beiden Jahren dazu über, nur mehr bestimmte Kontingente von den Grundbesitzern einzufordern, wobei für 1918 die Ablieferung des Ernteüberschusses durch die Ausgabe von Zucker, Salz und Petroleum „belohnt“ wurde. Angesichts dieser Verhältnisse war es kein Wunder, dass die in der Landwirtschaft tätigen Personen ihre Arbeitsintensität reduzierten, da ihnen die meisten Produkte ohnehin abgenommen wurden.[46] Zudem hatte die Bevölkerung durch ihre Steuerleistung, die jedes Jahr wuchs, sämtliche Ausgaben der Militärverwaltung zu tragen, wobei viele ihren Verpflichtungen einfach nicht nachkommen konnten und Zwangsmaßnahmen und Exekutionen zu gewärtigen hatten.[47] Alles in allem kam es daher sehr wohl zu der „Aussaugung des Landes“, vor der die von der Finanzabteilung des Militärgeneralgouvernements anfänglich gewarnt hatte[48]. Diese Aussaugung war die Folge der Intention, „genügend Ressourcen aus einem Land herauszuholen, das sowieso Schwierigkeiten mit seiner eigenen Versorgung gehabt hatte“ (Tamara Scheer).[49]

Als für längerfristige Planungen angelegte Maßnahme galt eine im Winter 1916/17 durchgeführte Volkszählung, mit der sich die Militärverwaltung einen Überblick über die zur Verfügung stehenden Ressourcen verschaffen wollte, indem zugleich auch der gesamte Viehbestand und die Vorräte des Landes mit aufgenommen wurden.[50] Dies führte im Kreis Cetinje zu massenhaften Viehabschlachtungen, da die Bauern befürchteten, dass die Viehzählung nur eine Vorstufe neuerlicher Requirierungen wäre.[51]

Eine weitere Maßnahme war die Einführung von Wirtschaftsausschüssen, die unter den Bauern eine zwangsweise gegenseitige Nachbarschaftshilfe organisierten, um die Ernteerträge zu erhöhen. In eine ähnliche Richtung ging die Schaffung von mehr als einem Dutzend Musterhöfen, die von Besatzungssoldaten geführt wurden, und der Bevölkerung ein Vorbild für rationale und produktionsorientierte Landwirtschaft geben sollten.[52]

Im April und Mai 1917 langten bei Außenminister Czernin und beim Militärgeneralgouverneur zwei verzweifelte Appelle montenegrinischer Generäle, Minister und Abgeordneten aus dem Lager Karlstein in Niederösterreich, wo sie interniert waren, ein. In den Schriftstücken wurde die elende Lage der montenegrinischen Bevölkerung geschildert und um höhere Zuteilung von Lebensmitteln an die Bevölkerung gebeten. Generalgouverneur Weber rechtfertigte sich daraufhin mit den angeblich umfangreichen Maßnahmen, die zugunsten der leidenden Bevölkerung bereits gesetzt worden seien und erklärte:

„Ich muss schließlich noch hervorheben, dass sich die Bevölkerung mit viel Verständnis für die Sache der M[ilitär]-Verw[altung] anschließt und auch der Handel ziemlich umfangreich belebt werden konnte. Auch herrscht im Lande Ruhe, wodurch die Sicherheit des Verkehres bedeutend gehoben wird. Nur hie und da ereignen sich kleinere Räuberüberfälle der Bewohner untereinander. Die Maßnahmen der Gendarmerie werden aber auch diesen Übelstand bald beseitigt haben werden.“[53]

Tatsächlich herrschte jedoch eine feindselige Stimmung unter der Bevölkerung, und so war es seit seiner Installierung eine der wichtigsten Aufgaben des Militärgouvernements gewesen, möglichst viele der Waffenbestände der aufgelösten Armee einzusammeln. Dies stieß immer wieder auf Schwierigkeiten, da in der noch von patriarchalen Normen geprägten montenegrinischen Gesellschaft das Tragen von Waffen eine große Bedeutung für die männliche Bevölkerung hatte. Die Militärverwaltung musste einmal gestellte Ultimaten immer wieder verlängern und sie nahm Zuflucht zu Drohungen und verschiedenen Methoden der Einschüchterung wie die Verhängung von Gerichtsstrafen über jene, die ihre Waffen nicht abgeliefert hatten.[54]

 

Widerstand, Deportationen, Hinrichtungen, Zwangsarbeit

Während der Zeit der österreichisch-ungarischen Besatzung wurden allein in vier der sieben Kreise Montenegros 500 Einheimische aus den unterschiedlichsten Gründen von Militärgerichten zu Tode verurteilt und hingerichtet. Mit diesen Maßnahmen war eine österreichisch-ungarische Strategie teilweise zunichte gemacht worden, die versucht hatte „[s]taatliche Funktionäre und Mitglieder der Gemeindebehörden [...] für das Weiterfunktionieren der militärischen Verwaltung im montenegrinischen Gebiet auszunützen.“[55]

General Radomir Vešović, der Verteidigungsminister der entlassenen Rumpfregierung, der die Kapitulation unterschrieben hatte, versuchte in Verkennung der internationalen militärischen Lage bereits im Frühjahr 1916 einen bewaffneten Aufstand zu organisieren, da er auf eine baldige Befreiung Montenegros durch Entente-Truppen hoffte. Ausgangspunkt der Verschwörung war Vešovićs Heimatregion um die Stadt Kolašin, die zum Stammesgebiet der Vasojevići gehörte. Durch Spione und den Einsatz eines Kommissars wurde das Militärgeneralgouvernement auf diese Bestrebungen aufmerksam und ließ Vešović und zwei seiner Brüder am 14. Juni 1916 verhaften. Als sie im Automobil abtransportiert wurden, zog Vešović seine Pistole, erschoss den sie begleitenden österreichisch-ungarischen Offizier und flüchtete mit seinen Brüdern in die Berge. Weber ließ Vešović daraufhin ausrichten, wenn er sich nicht binnen einer gewissen Frist meldete, würde er dessen dritten zurückgebliebenen Bruder und seinen Vater hängen lassen. Tatsächlich wurde der Bruder gehängt, während der Vater wegen seines hohen Alters der Todesstrafe entging und interniert wurde.[56] Die engeren Mitarbeiter von Vešović wurden auf einem Schiff festgehalten und später auf eine Insel in der Bucht von Kotor transportiert. Sie wurden Ende 1916 in einem Militärgericht verurteilt. Zwei, die zum Tod verurteilt waren, wurden Anfang 1917 in Cetinje erschossen. Die übrigen wurden von Kaiser Karl, der Franz Joseph auf dem Thron gefolgt war, begnadigt und in Lager überführt.[57]

Die Affäre Vešović bildete für Weber den Anlass für eine umfassende Internierungsaktion unter der von ihm als illoyal eingeschätzten montenegrinischen Bevölkerung und ihrer Elite, sowie der Intelligenz. Noch im Juni 1916 erließ befahl er dem Großteil der männlichen Bevölkerung des Bezirks Kolašin (allesamt aus dem Stamm der Vasojevići), sich bei den Besatzungsbehörden zum Zwecke ihrer Internierung zu melden. Wenn die Betroffenen dies nicht taten, drohten ihren Familienmitgliedern Repressalien. In ganz Montenegro wurden zudem fast alle Offiziere bis ins hohe Greisenalter, ehemalige Politiker, orthodoxe Geistliche und viele ehemalige Staatsbeamte – gegen den Einspruch von Friedrich Otto – verhaftet und in Lager in Bosnien-Herzegowina, Ungarn und Niederösterreich transferiert.[58]

Die Internierungen sollten bis Kriegsende andauern. Im April 1918 sollten sich in fünf Lagern in Österreich und Ungarn über 9.000 Montenegriner befinden. Doch die Gesamtzahl der internierten Montenegriner dürfte noch größer sein: Montenegriner befanden sich in Böhmen im Lager Heinrichsgrün(heute Jindřichovice), in Oberösterreich in Aschach an der Donau, im damaligen Ungarn und heutigen Burgenland in Neusiedl am See und Frauenkirchen, in Vel‘ký Meder in der heutigen Slowakei, in Niederösterreich in Karlstein an der Thaya und im nicht weit davon befindlichen Großau. Weitere Internierungslager für Montenegriner befanden sich in Bosnien-Herzegowina, in Montenegro selbst, sowie in Albanien. Novica Rakočević schätzt, dass während des Krieges etwa 15.000 Montenegriner – das waren fast 4 Prozent der Gesamtbevölkerung – interniert waren. Unter diesen befanden sich nicht nur serbisch-orthodoxe Montenegriner, sondern auch muslimische Slawen und Albaner, darüber hinaus auch viele Frauen und Kinder.[59]

Die Ernährung in den Lagern war ungenügend, so dass Hunger und Mangelerscheinungen ständige Begleiter waren. Zumeist gab es Wasser, Tee, etwas Brot, Rüben und Erdäpfel. Diejenigen, die die oft gefrorenen Rüben säuberten und rohen Erdäpfel schälten, mussten von den anderen bewacht werden, damit sie nicht währenddessen Teile davon aßen. Viele starben an Unterernährung, weil sie die wenige Nahrung, die sie hatten, gegen Tabak eintauschten. Immer wieder wurden Gruppen zum Arbeiten außerhalb der Lager verbracht. Am schlimmsten traf es diejenigen, die nach Südtirol zu Hilfsarbeiten an der Dolomitenfront abkommandiert wurden, wo sie durch Kälte und Hunger dezimiert wurden. Besser trafen es jene, die 1917 zu landwirtschaftlichen Arbeiten in verschiedene Gebiete der Monarchie eingeteilt wurden, da sie dort besser ernährt wurden.[60]

Da sich die höheren Offiziere beim österreichisch-ungarischen Kriegsminister wegen der schlechten Bedingungen im Lager Neusiedl beschwerten, wurden sie von den übrigen montenegrinischen Internierten getrennt und ins neu gegründete Lager Karlstein transferiert, wo sie bessere Bedingungen vorfanden; damit waren sie aber von den übrigen Internierten getrennt. Im Lager von Neusiedl brach zudem wegen der schlechten Nahrung im Frühjahr 1918 ein Hungerstreik unter den Internierten aus, über dessen Verlauf wir nicht weiter informiert sind.[61]

Die montenegrinische Exilregierung in Frankreich und deren Konkurrenzorganisation, der von der serbischen Exilregierung finanzierte montenegrinische Ausschuss für die Vereinigung mit Serbien, wussten von der schlechten Ernährungslage der Internierten, und es gelang ihnen über das Internationale Rote Kreuz Proviantpakete in die Lager zu schicken.[62]

Die Internierungen von Montenegrinern hörten auch nach dem Sommer 1916 nicht auf, und nur einige hundert konnten ab dem Winter 1916/17 wieder nach Montenegro zurückkehren.[63] Der Grund für das zögerliche Verhalten der Militärverwaltung lag darin, dass General Vešović noch immer auf freiem Fuß war und es ihm in der Zwischenzeit gelungen war, eine bewaffnete Widerstandsbewegung, die sogenannten Komiti, ins Leben zu rufen, die dem Besatzungsregime schwer zu schaffen machte. Im Kampf gegen diese „Banden“, wie es in den Berichten der Militärverwaltung heißt, wurden auch unschuldige Personen verhaftet, die mit den Komiti gar nichts zu tun hatten.[64]

Da die Aufständischen weiter gegen die Militärverwaltung vorgingen, wurden in deren Herkunftsbezirk Zwangsmaßnahmen verhängt wie Entzug der Lebensmittelhilfe, Geldbußen, Vermögenseinziehungen unter den Verwandten der Aufständischen, weitere Einschränkungen der ohnehin schon beschnittenen Reisefreiheiten sowie Evakuierungen und Einziehung zur Zwangsarbeit. Zudem wurden auch Geiseln genommen, die in Montenegro selbst interniert wurden.[65] Auf montenegrinischem Gebiet selbst, an der Grenze zu Albanien, gab es zwei berüchtigte Internierungslager, in denen Angehörige der Komiti festgehalten wurden – das Lager von Vuksan Lekić und jenes von Tuzi. Während das Internationale Rote Kreuz Zugang zu den Lagern in Österreich-Ungarn hatte, war dies bei diesen beiden Lagern nicht der Fall. Dort befanden sich alte und kranke Männer, sowie vor allem Frauen und Kinder. Arbeitsfähige Männer wurden zu verschiedenen Beschäftigungen ins Lager von Tuzi transferiert. Die beiden Lager wurden von einheimischen Albanern geleitet. Auf Grund der schlechten Nahrung und der unhygienischen Bedingungen waren die beiden Lager Brutstätten für ansteckende Krankheiten. Da es keine Ärzte gab, siechten viele der Insassen dahin. 150 Insassen von Tuzi erlebten die Befreiung von Montenegro im Herbst 1918, aber nur 20 aus dem Lager Vuksan Lekić.[66]

Als es im Herbst 1917 zur Oktoberrevolution kam und Russland als langjährige Schutzmacht der Montenegriner und Bündnispartner der Entente ausfiel, war die montenegrinische Widerstandsbewegung vorübergehend demoralisiert. Zu diesem Zeitpunkt war Vešović bereit, einen Deal mit dem Militärgouvernement abzuschließen, wo in der Zwischenzeit Weber von Heinrich Clam-Martinic abgelöst worden war; Clam hatte zuvor über sieben Monate der kaiserlich österreichischen Regierung vorgestanden.[67] Vešović begab sich allerdings erst in die Hände des Besatzungsregimes, nachdem ihm zugesichert worden war, dass er der Todesstrafe entgehen würde. Danach wurde er vom Militärgouvernement verpflichtet, öffentlich gegen die Komiti auftreten.[68] Durch die Repatriierung von internierten Offizieren und Beamten hoffte die Militärverwaltung zudem, dass diese ebenfalls die Bevölkerung im Sinne des Besatzungsregimes beeinflussen könnten, so dass die Widerstandsbewegung der Komiti isoliert würde. Doch tatsächlich ging diese Repatriierung, die ab April 1918 einsetzte, nur sehr schleppend vor sich und umfasste wohl nicht mehr als 1000 Personen.[69]

Dessen ungeachtet wuchs die Widerstandsbewegung im Laufe des Jahres erneut auf über tausend, wenn nicht bis hin zu einigen tausend Mitgliedern an und erreichte gegen Kriegsende ihren Höhepunkt. Die Komiti waren meist schlecht bewaffnet – sie waren mit alten Gewehren und oft nur mit traditionellen Säbeln ausgestattet. Ihnen standen im Sommer 1918 etwa 3.000 Gendarmen und 45.000 Soldaten des Besatzungsregimes gegenüber – eine Zahl, die etwa ein Zehntel der Gesamtbevölkerung Montenegros ausmachte. Außerdem waren die Besatzer mit Maschinengewehren, Artillerie und Flugzeugen ausgerüstet. So stellten die Komiti zwar keine ernsthafte Gefahr für die Besatzungsmacht dar, aber sie banden Kräfte und es gab die nicht unbegründete Befürchtung, dass sie die südslawische Bevölkerung in benachbarten Provinzen der Habsburger Monarchie, in Dalmatien und Bosnien-Herzegowina, zum Widerstand aufstacheln könnten.[70]

Ein weiteres Kapitel der österreichisch-ungarischen Besatzung von Montenegro war die Verpflichtung zur Arbeit. Diese galt nicht nur für die montenegrinischen Lagerinsassen in Österreich-Ungarn sondern auch im Gebiet des Militärgouvernements. Anfänglich wurden arbeitsfähige Personen unter den Einheimischen von der Militärverwaltung angeworben. Die Angeworbenen galten danach als Zivilpersonen der Armee im Feld galten und fielen somit unter das Militärrecht.[71] Bei den Arbeiten, zu denen sie eingesetzt wurden, ging es um den Ausbau bestehender Straßen, damit das Gebiet der Habsburger Monarchie besser mit Montenegro und darüber hinaus mit dem Kosovo und Albanien verbunden werden konnte. In der Tat gelang es den Besatzern auf Grund des allgemeinen Hungers und des ausgeübten Zwangs recht bald unter der Bevölkerung eine Schar billiger Arbeitskräfte anzuwerben. Doch die Erfüllung des Bedarfs auf freiwilliger Basis reichte nicht aus, so dass man bald dazu überging, Listen arbeitsfähiger Personen zu erstellen und auf dieser Grundlage Personen verpflichtend zur Arbeit einzuberufen. Insofern ist es gerechtfertigt, von Zwangsarbeit bzw. von Internierung zum Zwecke der Zwangsarbeit zu sprechen. Ausgenommen von diesen Einberufungen waren nur Personen im öffentlichen Dienst (Gemeindebeamte, Lehrer, Geistliche), Großgrundbesitzer, sowie Händler und Gewerbetreibende. Die verpflichteten Arbeiter konnten ihre Familien mitbringen, wenn sich diese daheim nicht selbst ernähren konnten. Kinder ab zehn Jahren wurden gegen freie Kost für leichte Arbeiten herangezogen. Erwachsene erhielten neben freier Kost auch einen geringen Tageslohn. Die Arbeitszeit war nicht geregelt, und die Nahrung war entsprechend schlecht. So kam es immer wieder zu Krankheits- und Todesfällen.[72]

Berüchtigt war die in Bar stationierte 212. Landsturm-Infanteriebrigade; von ihr wurde eine Abteilung montenegrinischer Arbeiter zum Straßenbau bei Castellastua (dem heutigen Touristenort Petrovac na Moru) abkommandiert. Die ArbeiterInnen waren nur zum Teil in Baracken untergebracht; viele andere – darunter Kranke und Alte – mussten im Freien übernachten. Immer wieder versuchten eingezogene MontenegrinerInnen – von denen auch die Militärverwaltung wusste, „dass es sich kaum um ,freiwillige‘ Arbeiter handeln“ konnte – aus dem Lager zu fliehen. Dieses stand zeitweise wegen Flecktyphus unter Quarantäne, sodass die zur Flucht Entschlossenen wegen der Verschleppungsgefahr damit rechnen mussten, dass scharf auf sie geschossen würde.[73]

Weiters ist festzuhalten, dass das Militärgouvernement mit Ende 1916 dazu über ging, Abteilungen montenegrinischer Arbeiter auch in der Monarchie einzusetzen, insbesondere in Bosnien, Kroatien, Serbien, im heutigen Slowenien, aber auch in Niederösterreich (z.B. als Arbeiterinnen für die Zünderfabrik der Wöllersdorfer Munitionsfabrik).[74]

 

Zusammenfassung: Kriegsende und südslawische Einigung

Dieser kurze Abriss der österreichisch-ungarischen Besatzung Montenegros in den Jahren 1916 bis 1918 ist durch eine Darstellung des ursprünglich eher paternalistischen Verhältnisses zwischen der Habsburger Monarchie und Montenegro eingeleitet worden. Anders als Serbien hat der montenegrinische König im Ersten Weltkrieg mehrmals versucht gegenüber der Habsburger Monarchie und seinen Bündnispartnern zu lavieren. Im Angesicht der militärischen Niederlage hat er jedoch nicht versucht, nach serbischem Beispiel einen Abzug seiner Truppen einzuleiten und sie in das Gebiet der Entente auszuschiffen. Andererseits wollte er aber auch nicht seine Unterschrift unter die Kapitulation setzen, sondern ist ins verbündete Ausland geflohen. Diese halbherzige Handlungsweise hat ihm jedoch nur sein ohnehin schon beschädigtes Ansehen unter seinen Untertanen gekostet, und er sollte den Boden Montenegros nie wieder betreten.[75]

Diese im Vergleich zu Serbien unterschiedliche Vorgeschichte, hat jedoch keinen Unterschied im Hinblick auf die mit der Okkupation einhergehende Repression gemacht, für die das in Montenegro alsbald etablierte österreichisch-ungarische Militärgouvernement die Verantwortung trug. Die Ansichten über die Zukunft Montenegros, die von einem Status eines von Österreich-Ungarn abhängiger Satellitenstaates bis zur vollständigen Integration in die südslawischen Gebiete der Monarchie reichten, waren so verschieden, dass keine Einigung zwischen dem Chef des Generalstabs der Gemeinsamen Armee, dem gemeinsamen Außenministerium, dem gemeinsamen Kriegsministerium und der Königlichen Ungarischen Regierung möglich war. Letztere befürchtete dass die von den österreichischen Regierungsstellen teilweise ventilierte Annexion eine Stärkung der Südslawen im Doppelstaat und ein dadurch mögliches Wiederaufleben der Idee des Trialismus nach sich ziehen könnte, was die Majorisierung der Madjaren zur Folge hätte. Die ungarische Regierung erklärte daher von Anfang an ihr „Desinteressement an dem wenig ergiebigen Montenegro“ mit Ausnahme des strategisch wichtigen Berges Lovćen.[76] Diese Pattstellung in den Spitzen der Doppelmonarchie hatte zur Folge, dass das österreichisch-ungarischen Besatzungsregime in Montenegro – so wie jenes in Serbien – nur einen provisorischen Charakter hatte.[77] Dies hatte zur Folge, dass die militärische Logik der einzige fixe Bezugspunkt für das Militärgeneralgouvernement Montenegro war, indem die montenegrinische Bevölkerung und deren Elite bekämpft wurde; zur selben Zeit stützte sich das Militärregime auf die als loyal erachteten albanischen und muslimischen Freiwilligen.[78] Das Desinteresse der ungarischen Regierung an Montenegro hatte auch damit zu tun, dass Serbien in ihre unmittelbare Interessenssphäre und man gerne bereit war, Montenegro als in die cisleithanische Sphäre gehörig zu betrachten.[79] Somit war für die negativen Folgen der Besatzung – Internierungen, Hinrichtungen, Zwangsarbeit – neben der Gemeinsamen Armee politisch vor allem der österreichische Reichsteil verantwortlich.

Die montenegrinische Zivilbevölkerung verband ihr Leiden während des Ersten Weltkriegs klarerweise mit der österreichisch-ungarischen Besatzungsmacht, betrachtete ihre prekäre Lage darüber hinaus jedoch vielfach auch als Folge der gescheiterten Regentschaft von König Nikola. Als die serbischen Truppen im Oktober 1918 in Montenegro einrückten, hatte die Widerstandsbewegung der Komiti bereits einen Teil des Landes bereits von der österreichisch-ungarischen Besatzungsmacht befreit. Von da an war es nur mehr ein kleiner Schritt bis zur förmlichen Absetzung des abwesenden König Nikola und zur Vereinigung mit Serbien, die zugleich auch zur Gründung des ersten jugoslawischen Staates unter der Dynastie der Karađorđevići führte. Ein wesentlicher Teil der südslawischen Einigung war somit erst vor dem dunklen Hintergrund des gemeinsamen Leidens unter der Besatzung der Mittelmächte und vor allem Österreich-Ungarns in die Tat umgesetzt worden. In Montenegro gibt es daher heute kaum Denkmäler, die in der nationalen Erinnerungskultur in positiver Weise mit der österreichisch-ungarischen Besatzung verbunden sind. Eine der wenigen Ausnahmen in dieser Hinsicht ist das von österreichischen Soldaten damals errichtete Landschaftsrelief in den Umrissen Montenegros direkt neben dem alten Fürstenpalast Bilijarda in Cetinje.[80]


[1] Heiko Brendel und Emmanuel Debruyne, „Resistance and repression in occupied territories behind the Western and Balkan Fronts, 1914–1918: A comparative perspective,“ in: Frontwechsel : Österreich-Ungarns „Großer Krieg“ im Vergleich, hg. Wolfram Dornik, Julia Walleczek-Fritz und Stefan Wedrac (Wien: Böhlau, 2013), 235-258, hier 235.

[2] Hugo Kerchnawe, „Die Militärverwaltung in Montenegro und Albanien,“ in: Ders., Die Militärverwaltung in den von den österreichisch-ungarischen Truppen besetzten Gebieten (Wien [u.a.] : Hölder-Pichler-Tempsky [u.a.], 1928), 270-304; ders. „Einleitung,“ in: ebda., 1-7, hier 2.

[3] Vgl. Tamara Scheer, Zwischen Front und Heimat. Österreich-Ungarns Militärverwaltungen im Ersten Weltkrieg (= Neue Forschungen zur ostmittel- und südosteuropäischen Geschichte 2) (Frankfurt/Main: Peter Lang, 2009), 35-38 und viele weitere Einzelheiten zu Montenegro über das ganze Buch verstreut; Heiko Brendel, „Der geostrategische Rahmen der österreichisch-ungarischen Besatzung Montenegros im Ersten Weltkrieg,“ in: Der Erste Weltkrieg auf dem Balkan: Perspektiven der Forschung, hg. Jürgen Angelow (Berlin-Brandenburg: bre.bra wissenschaft, 2011), 159-177159-177; ders., „Austro-Hungarian Policies towards Muslims in Occupied Montenegro,“ in: Balkans and Islam: Encounter, Transformation, Discontinuity, Continuity, hg. Ayşe Zişan Furat und Hamit Er (Newcastle upon Tyne: Cambridge Scholars Publishing, 2012), 85-106; ders., „,Better to Die as an Insurgent than to Starve to Death‘: Guerrilla Warfare and Counter-Insurgency in Austro-Hungarian Occupied Montenegro, 1916–1918,“ in: I Wojna Światowa na Bałkanach: Działanie militarne i polityczne w latach 1914–1918, hg. Andrzej Krzak, (Szczecin: Wydawnictwo Minerwa Wydziału Humanistycznego, 2014), 157–193; ders., „Die österreichisch-ungarische Besetzung Montenegros im Ersten Weltkrieg als habsburgischer Imperialkrieg,“ in: Imperialkriege von 1500 bis heute: Strukturen - Akteure – Lernprozesse, hg. Tanja Bührer, Christian Stachelbeck, Dierk Walter (Paderborn u.a.: Ferdinand Schöningh, 2011), 129-147; vgl. allgemein auch Wolfram Dornik, „Besatzungswirklichkeiten,“ in: Habsburgs schmutziger Krieg: Ermittlungen zur österreichisch-ungarischen Kriegsführung 1914-1918, hg. Hannes Leidinger, Verena Moritz, Karin Moster und Wolfram Dornik (Salzburg: Residenz, 2014), 171-190.

[4] Novica Rakočević, Crna Gora u prvom svjetskom ratu 1914-1918 (Cetinje: Istorijski Institut Titograd, 1969); vgl. auch Dragan Živojinović, „Serbia and Montenegro: The home front, 1914-1918, “ in: East Central European Society in World War I, hg. Bela K. Kiraly and Nándor F. Dreisziger (New York – Boulder, Colorado: Columbia University Press – Social Science Monographs, 1985), 239-259.

[5] Vgl. Rauchensteiner, Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie 1914-1918 (Wien – Köln – Weimar: Böhlau, 2013), 489.

[6] M. Christian Ortner, „Die Feldzüge gegen Serbien in den Jahren 1914 und 1915,“ in: Der Erste Weltkrieg auf dem Balkan, 123-142, hier 137-140.

[7] Vgl. Brendel, „Der geostrategische Rahmen,“ 164.

[8] Katrin Boeckh, Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg: Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung auf dem Balkan (= Südosteuropäische Arbeiten 97) (München: R. Oldenbourg, 1996), 245-248.

[9] Tamara Scheer, „Minimale Kosten, absolut kein Blut“: Österreich-Ungarns Präsenz im Sandžak von Novipazar (1879-1908) (= Neue Forschungen zur ostmittel- und südosteuropäischen Geschichte 5) (Frankfurt/Main: Peter Lang, 2013).

[10] Boeckh, Von den Balkankriegen, 42-48; Rüdiger Schiel, „Skutari 1913-/14 – eine frühe ,Joint‘ oder eine ,Combined Operation‘?,“ in: Am Rande Europas? Der Balkan – Raum und Bevölkerung als Wirkungsfelder militärischer Gewalt, hg. Bernhard Chiari, Gerhard P. Groß und Magnus Pahl (= Beiträge zur Militärgeschichte 68) (München: R. Oldenbourg, 2009), 89-104.

[11] Zu weiterführender Literatur über die Geschichte Montenegros vgl. Katrin Boeckh, „Montenegro,“ in: Studienhandbuch Östliches Europa. Bd. 1: Geschichte Ostmittel- und Südosteuropas, hg. Harald Roth (Köln – Weimar – Wien: Böhlau, 1999), 283-287; John Treadway, The Falcon and the Eagle: Montenegro and Austria-Hungary, 1908-1914 (West Lafayette: Purdue University Press, 1983); Branko Pavićević, Istorija Crne Gore. Bd. 4: Sazdanje crnogorske nacionalne države, 2 Bde. (Podgorica: Pobjeda – Istorijski institut Crne Gore, 2004); Živko M. Andrijašević und Šerbo Rastoder, The History of Montenegro: from ancient times to 2003 (Podgorica: Montenegro Diaspora Centre, 2006).

[12] Kerchnawe, „Die Militärverwaltung in Montenegro,“ 271f.

[13] Rakočević, Crna Gora, 16-20.

[14] Vgl. Rakočević, Crna Gora, 15f.; Brendel, „Der geostrategische Rahmen,“ 163.

[15] Rakočević, Crna Gora, 17.

[16] Rauchensteiner, Der Erste Weltkrieg, 27f.

[17] Rakočević, Crna Gora, 23-47; Rauchensteiner, Der Erste Weltkrieg, 105, 135 u. 137.

[18] Rakočević, Crna Gora, 112-114.

[19] Brendel, Der geostrategische Rahmen, 165f.

[20] Rakočević, Crna Gora, 47-59 u. 77f.

[21] Andrej Mitrović, Serbia’s Great War, 1914-1918 (London: C. Hurst & Co., 2007), 144-154.

[22] Rakočević, Crna Gora, 68-71 u. 152-161; Mitrović, Serbia’s Great War, 154-156; Rauchensteiner, Der Erste Weltkrieg, 509; Heiko Brendel, „Lovćen,“ in: 1914-1918-online. International Encyclopedia of the First World War, hg. Ute Daniel u.a. (FU Berlin: Berlin, 2014), dx.doi.org/10.15463/ie1418.10224; Peter Enne, Die österreichisch-ungarische Offensive gegen Montenegro 1916 unter besonderer Berücksichtigung der Operation über den Lovćen und des Zusammenbruchs der montenegrinischen Armee (Diplomarbeit: Univ. Wien, 2008), othes.univie.ac.at/1798/.

[23] Rakočević, Crna Gora, 161-184; Mitrović, Serbia’s Great War, 156f.

[24] Rakočević, Crna Gora, 185-198; Mitrović, Serbia’s Great War, 157f.

[25] Rakočević, Crna Gora, 206f. u. 225-227.

[26] Zit. n. Scheer, Zwischen Front und Heimat, 177; Rakočević, Crna Gora, 199f. u. 228f.; vgl. Rauchensteiner, Der Erste Weltkrieg, 505f.

[27] Rakočević, Crna Gora, 200, 219f.u. 232f.; Brendel, Der geostrategische Rahmen, 170; Rauchensteiner, Der Erste Weltkrieg, 508.

[28] Rakočević, Crna Gora, 210-219, 224f., 227f..

[29] Rakočević, Crna Gora, 229-232 u. 235f.; Brendel, Der geostrategische Rahmen, 176f.

[30] Rakočević, Crna Gora, 238; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 31, 35-37 u. 64-69; Brendel, Der geostrategische Rahmen, 168.

[31] Dr. B., „Zivilrechtspflege in Montenegro.“ Cetinjer Zeitung I (10) (17.9.1916): 2; Rakočević, Crna Gora, 244f.

[32] Rakočević, Crna Gora, 237; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 78f. u. 165.

[33] Rakočević, Crna Gora, 239-241; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 166f.; Brendel, „Austro-Hungarian Policies towards Muslims.“

[34] Rauchensteiner, Der Erste Weltkrieg, 759.

[35] Rakočević, Crna Gora, 298; vgl. auch Scheer, Zwischen Front und Heimat, 194f.

[36] Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, Neue Feldakten, Militärgeneralgouvernement Montenegro (im Folgenden abgekürzt als: KA, NF, MGG M), Karton 1704, 1917 Pol 2911.

[37] Rakočević, Crna Gora, 248-253.

[38] Rakočević, Crna Gora, 292; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 197.

[39] Vgl. Rakočević, Crna Gora, 291f.; Brendel, Der geostrategische Rahmen, 172. Die einzelnen Ausgaben der Zeitung sind auf dem Digitalisierungsportal „ANNO - AustriaN Newspapers Online“ der Österreichischen Nationalbibliothek nachzulesen – vgl. anno.onb.ac.at/alph_list.htm.

[40] „Feldkino 16.“ Cetinjer Zeitung I (19) (19.10.1916): 3; KA, NF, MGG M, Karton 1715, 1917 B.A. 516, 821 u. 940.

[41] „Arbeit und Kultur: Ein Appell an das geistige Montenegro.“ Cetinjer Zeitung I (19) (19.10.1916): 1; Kerchnawe, Die Militärverwaltung in Montenegro,“ 277f.; Rakočević, Crna Gora, 280f. u. 293; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 169 u. 184-188; Rauchensteiner, Der Erste Weltkrieg, 760-762. Zum Selbstbild der Militärverwaltung vgl. P. St., „Die Ziele unserer Verwaltung in Montenegro.“ Cetinjer Zeitung I (1) (17.8.1916): 3f.

[42] Kerchnawe, „Die Militärverwaltung in Montenegro,“ 274; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 178-180 u. 190f.; Brendel, „Austro-Hungarian Policies towards Muslims.“

[43] Kerchnawe, „Die Militärverwaltung in Montenegro,“ 276; vergl. Rakočević, Crna Gora, 263f.

[44] Brendel, Der geostrategische Rahmen, 172 u. 176; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 37 u. 133; vgl. Rakočević, Crna Gora, 272.

[45] „Aufhebung des montenegrinischen Moratoriumsgesetzes.“ Cetinjer Zeitung I (21) (26.10.1916): 1f.; Kerchnawe, „Die Mililtärverwaltung in Montenegro,“ 278-280; Rakočević, Crna Gora, 253, 272f. u. 284-287; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 140f..

[46] K P. St., „Nahrungsmittelvorsorgen unserer Militärverwaltung.“ Cetinjer Zeitung I (5) (31.8.1916): 1; „Der Herbstanbau: Eine Warnung des Stadtkommandanten.“ Cetinjer Zeitung I (20) (22.10.1916): 3; „Häute-Beschlagnahme.“ Cetinjer Zeitung I (35) (14.12.1916): 3; Kerchnawe, “Die Militärverwaltung Montenegros,” 276f.; Rakočević, Crna Gora, 267-271; Brendel und Debruyne, „Resistance and repression in occupied territories,“ 247.

[47] Rakočević, Crna Gora, 246f.; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 73f.

[48] Zit. n. Scheer, Zwischen Front und Heimat, 131.

[49] Scheer, Zwischen Front und Heimat, 143.

[50] Kerchnawe, „Die Militärverwaltung in Montenegro,“ 275; Brendel, Der geostrategische Rahmen, 168.

[51] KA, NF, MGG M, Karton 1704, 1917 Pol 1660.

[52] Kerchnawe, „Die Militärverwaltung in Montenegro,“ 276; Rakočević, Crna Gora, 264; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 146f.

[53] KA, NF, MGG M, Karton 1704, 1917 Pol 2806.

[54] Vgl. „Gerichtshalle.“ Cetinjer Zeitung I (3) (24.8.1916): 3; Rakočević, Crna Gora, 298-300, 324f.; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 104f.

[55] Zit. n. Tamara Scheer, „Österreich-Ungarns Umgang mit den besetzten Eliten des Balkans während des Ersten Weltkriegs im Vergleich mit aktuellen internationalen Friedensmissionen,“ in: Eliten als Orientierungsgeber oder als ‚Sozialschmarotzer’? Zur soziokulturellen Bedeutung von Elitehandeln in gesellschaftlichen Transformationsprozessen (= Trans: Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften 17) (2008), www.inst.at/trans/17Nr/7-12/7-12_scheer.htm.

[56] Rakočević, Crna Gora, 301-307, 309-318, 321 u. 373; vgl. Mitrović, Serbia’s Great War, 245f.; Brendel, Der geostrategische Rahmen, 172; ders. und Debruyne, „Resistance and repression in occupied territories,“ 253.

[57] Rakočević, Crna Gora, 323f.

[58] Rakočević, Crna Gora, 319-323; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 37; Brendel, Der geostrategische Rahmen, 172f.

[59] Rakočević, Crna Gora, 325-328.

[60] Rakočević, Crna Gora, 328-333.

[61] Rakočević, Crna Gora, 332f..

[62] Rakočević, Crna Gora, 335-349.

[63] „Gnadenakt für die montenegrinische Geistlichkeit.“ Cetinjer Zeitung I (34) (10.12.1916): 3; Rakočević, Crna Gora, 349-356.

[64] „Kundmachung.“ Cetinjer Zeitung I (23) (2.11.1916): 3; Rakočević, Crna Gora, 349 u. 373-381; Mitrović, Serbia’s Great War, 265f.; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 89; Brendel, Der geostrategische Rahmen, 172f.

[65] Vgl. Scheer, Zwischen Front und Heimat, 108-110; Brendel, Der geostrategische Rahmen, 176 .

[66] Andrija V. Lainović, „Zarobljenički logor u Vuksan-Lekiću.“ Godišnjak nastavnika podgoričke Gimnazije V (1934): 41-47; Rakočević, Crna Gora, 348f. u. 380f.

[67] Rakočević, Crna Gora, 403-413; Clam trat sein neues Amt als Militärgouverneur am 8.7.1917 an – Vgl. Heiko Brendel, „Clam-Martinic, Heinrich, Graf,“ in: 1914-1918-online, DOI: dx.doi.org/10.15463/ie1418.10089.

[68] Rakočević, Crna Gora, 357 u. 413-415.

[69] Vgl. Rakočević, Crna Gora, 349-359, bes. 359 spricht von 2000 Repatriierten des Jahres 1918, zählt aber eine Gruppe von 800 Arbeitern aus dem montenegrinischen Küstenland, die erst im Mai 1918 interniert wurden, hinzu.

[70] Vgl. Kerchnawe, „Die Militärverwaltung in Montengro,“ 272; Mitrović, Serbia’s Great War, 274f.; Rakočević, Crna Gora, 381-401; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 60; Brendel, Der geostrategische Rahmen, 174; ders. und Debruyne, „Resistance and repression in occupied territories,“ 254.

[71] Scheer, Zwischen Front und Heimat, 151 u. 156f..

[72] „M.A. Nr. 10.346: Aufruf.“ Cetinjer Zeitung I (5) (31.8.1916): 4; Rakočević, Crna Gora, 281-283.

[73] Rakočević, Crna Gora, 281; Vgl. KA NFA MGG M, Karton 1704, 1917 Pol 2756.

[74] Rakočević, Crna Gora, 283; Scheer, Zwischen Front und Heimat, 158.

[75] Vgl. Rakočević, Crna Gora, 296.

[76] Zit. n. Scheer, Zwischen Front und Heimat, 36; vgl. Mitrović, Serbia’s Great War, 197f.; Brendel, Der geostrategische Rahmen, 170; vgl. auch Rauchensteiner, Der Erste Weltkrieg, 1006.

[77] Brendel und Debruyne, „Resistance and repression in occupied territories,“ 246.

[78] Ebda, 247; vgl. Brendel, „Austro-Hungarian Policies towards Muslims.”

[79] Kerchnawe, „Einleitung,“ 6f.

[80] Vgl. Rauchensteiner, Der Erste Weltkrieg, 512f.

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