166 : Lehrer/innenhandlen wirkt. Zu den Chancen und Risiken schulischer Interaktion

Klappentext

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Wodurch werden Lehrpersonen in ihrem Handeln geprägt? Und wie bedingt ihr Handeln wiederum die Zusammenarbeit mit ihren Schüler/innen, wie beeinflusst es deren Lernverhalten?

Dieses schulheft nimmt einerseits die Hintergründe des Lehrer/innenhandelns in den Blick und geht andererseits der Frage nach, welche Wirkungen es zeigt. Chancen und Risiken pädagogischer Interaktion werden aus unterschiedlichen Perspektiven – jener von Lernenden, Lehrenden sowie der Lehrer/innenbildung – im Kontext aktueller Themenfelder untersucht.

Inhalt

Inhalt

Vorwort

Marion Pollmanns
Wie das Wirken des Unterrichtens zu verstehen wäre

Johanna F. Schwarz
Raum. Zeit. Leib. Relation
Dimensionen des Lehrer_innenhandelns

Cathrin Reisenauer & Nadine Ulseß-Schurda
Lehrerinnen und Lehrer handeln anerkennend: Ein Beitrag zur Subjektwerdung von Schülerinnen und Schülern

Sabine Gerhartz-Reiter
Wie beeinflusst Lehrer/innen/handeln Bildungskarrieren?
Chancen und Risiken aus Sicht unterschiedlicher Orientierungstypen in formalen Bildungsinstitutionen

Yalız Akbaba/Christine Schlickum
Zur Materialität von Diversitätsdiskursen im Lehrer*innenhandeln

Eveline Christof
Was leitet das Handeln von Lehrerinnen und Lehrern?Zum Zusammenhang berufsbezogener Überzeugungen und dem Handeln von Lehrer/innen

Katharina Rosenberger
Kontingenz als zentrale Kategorie des unterrichtlichen Handelns: eine Herausforderung für die LehrerInnenausbildung

Eveline Christof & Sabine Gerhartz-Reiter
„Wenn ich an meine Tätigkeit als Lehrer/in denke …“
Welche Chancen und Risiken nehmen Lehrer/innen und Lehramtsstudierende bezogen auf ihr pädagogisches Handeln wahr?

Nadja Köffler & Evi Agostini
Lehrer/-innen als weltfremde, kastrierte Akademiker/-innen zweiter Klasse
Tabuisierte Erfahrungen berufswahlbedingter Abwertung im Lehramtsstudium und prognostizierte Auswirkungen auf professionsrelevantes Lehrer/-innenhandeln

Markus Ammann
„Ein bisschen langsamer.“ – Intendierte Transformationsimpulse im Schulsystem und ihre nicht intendierten Wirkungen

Autor/innen

Vorwort

Vorwort

Die Themen Schüler/innen stehen immer wieder im Fokus des öffentlichen Interesses, und dieses Feld ist häufig vielfältigen Reformen und Veränderungen unterworfen. Keine andere Berufssparte ist in diesem Maß Einsprüchen von außen und öffentlichen Angriffen ausgesetzt. (Vgl. dazu den Band von N. Ricken „Verachtung der Pädagogik“ von 2007) Gleichzeitig sind die Schule und das Bildungssystem jene Hoffnungsträger in der Gesellschaft, denen die Möglichkeit zugesprochen wird, Veränderungen und vor allem Verbesserungen herbeizuführen. Lehrer/innen kommt in dem Zusammenhang eine wichtige Aufgabe zu, und viele Personen entscheiden sich auch gerade darum für diesen Beruf, weil sie die Verantwortung dafür übernehmen wollen, die nachfolgende Generation zu erziehen und zu bilden. Das Handeln von Lehrer/innen wird als zentral erachtet, da auch durch zahlreiche Studien bestätigt wird, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der Expertise und dem Können der Lehrpersonen und den Leistungen der Schüler/innen nachzuweisen ist. Der Zusammenhang bzw. die Wirkungskette Lehrer/innenkompetenz – Lehrer/innenleistung – Schüler/innenkompetenz – Schüler/innenleistung ist vielfach empirisch erforscht (vgl. Frey, Jung 2011).

Lehrer/innen sind Expertinnen und Experten für ihre Fächer, die entsprechenden Fachdidaktiken sowie für die Gestaltung von Lernprozessen. Auf der Basis dieses berufsbezogenen Wissens und Könnens, mit dem Hintergrund eines professionellen Berufsethos und unter Einfluss von nicht-kognitiven Elementen (wie motivationalen Merkmalen) verfolgen sie das Ziel, Schüler/innen bestmöglich auszubilden und sie beim Erreichen ihrer Bildungsziele zu unterstützen.

Aber was sind die tatsächlichen Hintergründe des Handelns von Lehrerinnen und Lehrern? Welche Rolle spielt die Ausbildung und was wird an Werten, Bildern und Handlungsweisen bereits in die Ausbildung mitgebracht? Welche Chancen und welche Risiken ergeben sich daraus für das Lehrer/innen-Handeln? Welche Tendenzen und Entwicklungen wirken sich auf das Handeln der einzelnen Lehrpersonen wie aus und warum? Welche Einflussfaktoren können aufgezeigt werden und wie wirken sie auf das konkrete Handeln von Lehrpersonen im Unterricht? Und wie nehmen Lernende das Handeln der Lehrenden wahr? Welchen Einfluss nimmt es auf ihre Bildungskarrieren?

Das vorliegende schulheft geht diesen und weiteren Fragen rund um das Thema „Lehrer/innen-Handeln“ und dessen Wirkungen, Chancen und Risiken nach und beleuchtet es aus unterschiedlichen Blickwinkeln – Lehrer/innen selbst, Schüler/innen, Lehrer/innen/bildung:

Marion Pollmanns geht in ihrem Artikel „Wie das Wirken des Unterrichtens zu verstehen wäre‘ zeigt das Handeln von Lehrer/innen auf das ‚Tun‘ der Schüler/innen?“ auf Basis empirischer Untersuchungen dem Verhältnis von Unterrichten und Aneignen nach.

Johanna F. Schwarz untersucht in „Raum. Zeit. Leib. Relation“ unterschiedliche Facetten des Lehr-Lerngeschehens: Anhand einer Vignette werden Chancen, Risiken und Herausforderungen des pädagogischen Geschehens in Hinblick auf räumliche, zeitliche, leibliche und relationale Erfahrungsdimensionen in den Blick genommen.

Cathrin Reisenauer und Nadine Ulseß-Schurda zeigen in ihrem Artikel „Lehrerinnen und Lehrer handeln anerkennend: Ein Beitrag zur Subjektwerdung von Schülerinnen und Schülern“ auf, welchen Einfluss Lehrpersonen als bedeutsame Andere für die Subjektwerdung von Kindern und Jugendlichen haben.

Sabine Gerhartz-Reiter fragt „Wie beeinflusst Lehrer/innen/handeln Bildungskarrieren?“. Auf Basis einer empirischen Studie zu Bildungsaufstieg und Bildungsausstieg wird der potenzielle Einfluss von Lehrpersonen auf unterschiedliche Typen von Schüler/innen und deren formale Bildungsverläufe diskutiert.

Yalız Akbaba und Christine Schlickum widmen sich der Materialität von Diversitätsdiskursen im Lehrer/innenhandeln. Sie nehmen implizite Diskurse in den Blick, die sich im Argumentieren und Handeln von Lehrer/innen bzw. Lehramtsstudierenden im Umgang mit Diversität zeigen.

Die Beiträge von Eveline Christof und Katharina Rosenberger nähern sich dem Lehrer/innen-Handeln aus theoretischer Perspektive. Eveline Christof geht mit dem Artikel „Was leitet das Handeln von Lehrerinnen und Lehrern“ der Frage nach dem Zusammenhang berufsbezogener Überzeugungen von Lehrpersonen und ihrem Handeln nach.

Katharina Rosenberger nimmt mit dem Thema „Kontingenz als zentrale Kategorie des unterrichtlichen Handelns“ eine Herausforderung für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern unter die Lupe.

Eveline Christof und Sabine Gerhartz-Reiter widmen sich im nächsten Beitrag dem Vergleich der unterschiedlichen Sichtweise von Lehramtsstudierendenden zu Beginn und Ende des Studiums sowie jenem von Lehrpersonen auf Chancen, Risiken und Wirkungen des Lehrer/innenhandelns.

Nadja Köffler und Evi Agostini untersuchen in ihrem Artikel „Lehrer/-innen als weltfremde, kastrierte Akademiker/-innen zweiter Klasse?“ tabuisierte Erfahrungen berufswahlbedingter Abwertung, die Lehramtsstudierende erfahren haben, und zeigen mögliche Auswirkungen auf professionsrelevantes Lehrer/innenhandeln auf.

Markus Ammann rückt Schulsystem-bezogene Aspekte des Lehrer/innenhandelns in den Fokus: „‚Ein bisschen langsamer.‘ – Intendierte Transformationsimpulse im Schulsystem und ihre nicht intendierten Wirkungen“ und nimmt Transformationsimpulse im schulischen Alltag vor dem Hintergrund einer Schulleiteranekdote in den Blick.

 

In den Beiträgen werden unterschiedliche Gender-Schreibweisen verwendet. Die Redaktion hat dies den AutorInnen freigestellt.

AutorInnen

AutorInnen

Mag. Evi Agostini PhD ist Universitätsassistentin (Post-Doc) am Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung an der School of Education der Leopold-Franzens-Universität-Innsbruck. Sie forscht im Bereich der Lern- und Lehrforschung zu den Themen (phänomenologische) Lerntheorien, ästhetische und interkulturelle Bildung und Ethik.

Dr. phil. Yalız Akbaba ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sie lehrt und forscht in den Bereichen der kritischen Migrationsforschung, der pädagogischen Professionalisierung und der Methoden qualitativer Sozialforschung, vor allem der (Diskurs-) Ethnografie und der fallrekonstruktiven Unterrichtsforschung.

Mag. Dr. Markus Ammann ist Universitätsassistent am Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung an der School of Education der Universität Innsbruck. Er forscht im Bereich Schulforschung zu dem Thema Leadership in schulischen Transformationsprozessen.

Assoz.-Prof. Mag. Dr. Eveline Christof ist assoziierte Professorin an der School of Education der Universit.t Innsbruck und Leiterin des Instituts für LehrerInnenbildung und Schulforschung. Sie lehrt und forscht in den Bereichen Schulpädagogik, Lehrer/innenbildung, reflexionswissenschaftliche Forschung, qualitative Bildungsforschung.

MMag. Sabine Gerhartz-Reiter BA PhD ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung an der School of Education der Universität Innsbruck. Sie forscht im Bereich der Schulforschung zu Ungleichheit im Bildungswesen, Bildungskarrieren und LehrerInnenprofessionalität.

Mag. Nadja Maria Köffler PhD ist wissenschaftliche Mitarbeiterin (Post-Doc) an der School of Education der Universität Innsbruck. Sie forscht im Bereich der LehrerInnenbildungsforschung, Ikonologischen Bildungsforschung und Lernforschung zu Professionalisierungsverläufen von Lehramtsstudierenden, Tabuisiertem in formalen Bildungskontexten und dem Bildungspotential von Bildmedien.

Dr. phil. Marion Pollmanns ist Professorin für Schulpädagogik am Institut für Erziehungswissenschaften der Europa-Universität Flensburg. Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Theorie des Unterrichts, Theorie der Schule, rekonstruktive Schul- und Unterrichtsforschung, Professionalisierungsforschung.

MMag. Dr. Cathrin Reisenauer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung an der School of Education der Universit.t Innsbruck. Sie forscht im Bereich der Lehr- und Lernforschung zu Anerkennung und pädagogischem Handeln.

Dr. Christine Schlickum ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft, AG Schulforschung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind pädagogische Umgänge mit Differenz, Professionsforschung, rekonstruktionslogische Forschungsmethoden, Kasuistik in der Lehrer*innenbildung.

Priv. Doz. Dr. Johanna F. Schwarz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für LehrerInnenbildung und Schulforschung an der School of Education der Universit.t Innsbruck. Ihre Lehrschwerpunkte sind die Umsetzung der neuen Curricula in der PädagogInnenbildung Neu im Entwicklungsverbund West (EVW), ihre Forschungsschwerpunkte sind Phänomene des Lernens und Lehrens.

Mag. Dr. Nadine Ulseß-Schurda ist Lehrerin und Lehrbeauftragte des Instituts für LehrerInnenbildung und Schulforschung der School of Education Innsbruck und der Pädagogischen Hochschule Tirol. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Anerkennungspraktiken in der Schule und pädagogisches Handeln.

HS-Prof. Mag. Dr. Katharina Rosenberger ist Professorin an der Pädagogischen Hochschule Wien/Krems und Mitglied des Instituts für Forschung und Entwicklung. Sie lehrt im Bereich Schulpädagogik sowie wissenschaftliches Arbeiten und forscht zur Praxis von Unterricht, Schule und Lehrer/innenbildung.

 

 

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Studienverlag: Schulheft 166